Zika-Virus: Zahl der erkrankten Babys auf über 5200 gestiegen

Möglicherweise gebe es allein in Brasilien bereits 1,5 Millionen Zika-Fälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt: In ganz Amerika könnte es ohne energische Gegenmaßnahmen zu drei bis vier Millionen Ansteckungen kommen.

WHO: Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Zika-Virus sowohl für Missbildungen bei Föten als auch für Nervenerkrankungen bei Erwachsenen verantwortlich

Der Zika-Virus breitet sich auf dem amerikanischen Kontinent weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit bis zu vier Millionen Zika-Infektionen, falls das Virus nicht energisch genug bekämpft werde.

Bisher ist der Erreger in mehr als 30 Ländern aufgetreten, am schwersten ist Brasilien betroffen. Auch nach Deutschland ist er eingeschleppt worden. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan sprach von einer „explosionsartigen“ Verbreitung.

Wegen der massiv schnellen Ausbreitung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das teilte die Organisation im Anschluss an eine Expertenrunde mit. Der letzte globale Notstand war 2014 wegen der Ebola-Epidemie ausgerufen worden.

WHO ruft wegen Zika-Virus global Gesundheitsnotstand aus

Es gebe eine räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Virus und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen, erklärte WHO-Direktorin Margaret Chan. Sie räumte aber ein, dass noch der wissenschaftliche Beweis für den Zusammenhang ausstehe. „Wir brauchen eine koordinierte internationale Antwort“, sagte Chan. Die Weltgemeinschaft müsse sich nun auf Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs gegen das Virus konzentrieren.

zika-virus

Weltweit gemeldete Fälle in den letzten 30 Tagen – Quelle: www.healthmap.org

Hauptgrund für die Sorge sind laut WHO Hinweise, wonach das Zika-Virus gerade für schwangere Frauen gefährlich sein und Mikrozephalie auslösen kann: Babys kommen mit zu kleinen Schädeln auf die Welt; geistige Beeinträchtigungen sind die Folge. Das Virus wird wie das Dengue-Fieber von der Moskitoart Aedes aegypti übertragen. Landesweit gibt es 4180 Fälle von Mikrozephalie, bei zwölf ist eindeutig festgestellt worden, dass sich die Mütter zuvor mit Zika infiziert hatten. In Brasilien starben bereits 68 Babys durch Mikrozephalie.

grafik-zur-ausbreitung-des-zika-virus-

Am weitesten verbreitet ist das Zika-Virus in Mittel- und Südamerika. (Quelle: dpa)

Der Verdacht auf eine Verbindung zwischen dem erstmals 1947 in Uganda entdeckten Zika-Virus und der Schädigung von Ungeborenen ist erst im Herbst in Brasilien aufgekommen. Sollte er bewiesen werden, würde sich das „Risiko-Profil“ des Erregers laut WHO dramatisch ändern. Chan sagte, es müssten die besten Fachleute der Welt aufgeboten werden, um dies rasch zu klären. „Wir müssen alle Informationen miteinander teilen, wir brauchen eine korrekte Analyse.“

Nach der Ausrufung des weltweiten Gesundheitsnotstands empfiehlt die WHO für alle Staaten dringende Maßnahmen zur Vorbeugung von Ansteckungen sowie zur Eindämmung des Zika-Erregers. Dazu können Vorsichtsmaßnahmen bei Reisen gehören. Es bestehe kein Grund zur Angst oder gar Panik: „Zika ist nicht Ebola“, sagte der zuständige WHO-Direktor und Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten, Marcos Espinal. Die Krankheit werde bekanntermaßen durch bestimmte Stechmücken verbreitet. Der Kampf gegen die Überträger sei entscheidend.

Die Gesellschaft für Virologie sieht aber keine Gefahr für Deutschland. „Es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass es zukünftig zu einer Übertragung von Zika-Viren über angesiedelte Moskitos in Deutschland kommen wird“, erklärte Christian Drosten. Er leitet an der Universitätsklinik in Bonn das Institut für Virologie.

Das Zika-Virus haben schon mehrere Reisende nach Deutschland und in andere europäische Länder eingeschleppt. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin stellte seit 2013 bundesweit zehn Infektionen fest. Fünf der Betroffenen hätten sich seit Oktober 2015 angesteckt – alle in Lateinamerika, wie der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit am Donnerstag berichtete. Weitere neue Fälle sind ihm nicht bekannt, er rechnet aber mit einer Dunkelziffer. Viele Zika-Infektionen bleiben unbemerkt. Wer erkrankt, leidet oft unter Symptomen, die einer Erkältung ähneln, und Hautausschlägen. Schwangere Frauen sollten bis zur Entbindung unter medizinische Beobachtung gestellt werden, wenn sie über Symptome wie Hautausschlag klagen.

220.000 Soldaten sollen beim Kampf gegen das Zika-Virus helfen

Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO ist es immer wahrscheinlicher, dass der Erreger sowohl für Missbildungen bei Föten als auch für Nervenerkrankungen bei Erwachsenen verantwortlich ist. Der Zusammenhang zwischen Zika und dem sogenannten Guillain-Barre-Syndrom sei sehr wahrscheinlich. Dabei handelt es sich um krankhafte Veränderungen im menschlichen Nervensystem, bei denen es zu Lähmungen, Sensibilitätsstörungen und Herzrhythmusstörungen kommen kann. WHO-Expertin Marie-Paule Kieny am Freitag in Genf.

Marie-Paule Kieny: „An den Orten, an denen es einen Anstieg von Zika gibt, kommt auch Guillain-Barre häufiger vor. Der direkte Zusammenhang muss noch bewiesen werden. Aber die zeitliche und geografische Häufung ist deutlich. Eine Verbindung zwischen Zika und Guillain-Barre ist sehr wahrscheinlich.“

Weiterhin teilte die WHO mit, dass das Nationale Gesundheitsinstitut der USA sowie eine indische Biotech-Firma bei der Entwicklung eines Impfstoffs am weitesten fortgeschritten sind. Allerdings würde es noch 18 Monate dauern, um umfangreiche klinische Tests zu starten. Der Zika-Erreger wird über Mückenstiche und möglicherweise auch beim Geschlechtsverkehr übertragen. Bei Föten soll das Virus zu schweren Schädelmissbildungen führen.

80078F4209F

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass eine Weitergabe des Zika-Erregers von Schwangeren auf das ungeborene Kind zu Fehlbildungen führen kann, selbst wenn die Frau keine Symptome hat.

Quelle: DPA/Reuters

Zika-Virus: Zahl der erkrankten Babys auf über 5200 gestiegen