Wieder Todesopfer bei venezolanischen Protesten

Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Nationalgarde und Demonstranten in Venezuela ist ein 17-Jähriger ums Leben gekommen. Wegen der anhaltenden sozialen Unruhen sind in dem südamerikanischen Land seit April Dutzende Todesopfer zu beklagen.

Sie haben Kerzen vor seine Fotos bei der Mahnwache in Caracas gestellt, an dem Ort, wo das vorerst jüngste Opfer im Konflikt mit der Regierung und deren Vertretern ums Leben kam. Doch die Trauer der Demonstranten verdrängt nicht deren Wut, sondern bestärkt sie in ihren Forderungen nach Veränderung.

O-Ton: „Für ihn und alle die jungen Menschen, die gestorben sind, müssen wir auf der Straße bleiben. Es ist nicht gerecht, dass uns diese Verbrecher weiter töten. Dieser Kämpfer, ein Kind, hat sich mit mir auf der Straße zur Wehr gesetzt.“

Der 17-jährige Neomar Lander war am Mittwoch bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Nationalgarde und Demonstranten gestorben. Damit stieg die Zahl der Todesopfer der sozialen Unruhen seit April auf deutlich über 60. Nach offiziellen Angaben starb der Jugendliche, weil eine selbst gebaute Granate in seiner Hand explodierte. Abgeordnete der Opposition sagten indes, er sei von einer Tränengasgranate getroffen worden, die direkt auf ihn abgefeuert worden sei. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Proteste gegen Venezuelas Präsidenten Nicolas Maduro begannen vor mehr als zwei Monaten. Unter den Todesopfern sind Regierungs- sowie Oppositionsanhänger ebenso wie Sicherheitskräfte und Unbeteiligte. Jede Seite beschuldigt die andere, für die Gewalt verantwortlich zu sein.

Die Opposition und viele Bürger fordern vorgezogene Wahlen und einen Rücktritt Maduros, dem sie die Verantwortung für die schlechte wirtschaftliche Lage geben. In der Bevölkerung herrscht große Wut über die Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land, die Lebensmittel und Medikamente knapp werden lässt. Kritiker werfen Maduro vor, wie ein Diktator zu herrschen.