Vor dem Mord war Claus-Brunner mit der Leichen-Kiste noch im Kiosk

Der Pirat Gerwald Claus-Brunner (44) betritt einen Zeitungsladen in Steglitz, der Politiker trägt sein übliches Outfit: blaue Latzhose, Palästinenser-Tuch um die Stirn gewickelt. Claus-Brunner gibt seinen Lottoschein ab, gewonnen hat er aber nichts.

Doch die Bilder der Überwachungskamera aus dem Kiosk sind nur kurz vor dem Mord an Jan L. aufgenommen worden – am Donnerstag vergangener Woche, dem 15. September, kurz nach 18 Uhr. Es sind die letzten Bilder, die Claus-Brunner lebend zeigen. Jan L. sollte drei Stunden später sterben.

Der Politiker war am Montag tot in seiner Steglitzer Wohnung aufgefunden worden. Er hatte Suizid begangen. Auch die Leiche seines ehemaligen Mitarbeiters Jan L. war in der Wohnung – nackt, mit Kabelbindern gefesselt. „An dem Donnerstag ist mir nichts Besonderes aufgefallen. Claus-Brunner wirkte entspannt. Komisch war nur, dass er eine Sackkarre mit einer riesigen Kiste dabeihatte“, sagt Besitzer Samet B.

Die Aufnahmen zeigen deutlich, wie Claus-Brunner mit der riesigen Holzkiste vor dem Laden erscheint. In dieser Kiste soll er nur wenige Stunden später den Leichnam von Jan L. aus dessen Weddinger Wohnung nach Steglitz transportiert haben.

Nach dem Verlassen des Ladens schiebt Claus-Brunner die Sackkarre mit der Kiste seelenruhig in Richtung S-Bahnhof Feuerbachstraße. Von dort fährt die S1 direkt bis zum S-Bahnhof Gesundbrunnen, knapp einen Kilometer von der Wohnung des Opfers Jan L. entfernt.

Am Montag hatte die Polizei die Leiche des Piraten-Politikers in dessen Steglitzer Wohnung. In der Wohnung lag eine weitere Leiche. Der 29-jährige Jan L. wurde erwürgt. Am Montag bot sich der Polizei in der Steglitzer Wohnung von Gerwald Claus-Brunner ein „schauriges Bild“. Zwei Leichen – in verschiedenen Zimmern.

Einer der Toten: Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner, Suizid. In einem weiteren Zimmer: die Leiche eines jungen Mannes, Jan L. Der 29-Jährige war bereits einige Tage tot. Beide hatte nach B.Z.-Informationen seit mindestens 2011 ein freundschaftliches Verhältnis verbunden. Irgendwann sei dies jedoch umgeschlagen. L. habe demnach Claus-Brunners Annäherungsversuche nicht erwidert.

Der Piraten-Abgeordnete soll die Leiche mit einer Sackkarre in seine Steglitzer Wohnung in der Schönhauser Straße gebracht haben. Nachbarn hörten in der Mordwohnung am Donnerstag, den 15. September, verdächtige Geräusche. Zu dieser Zeit begann gerade das Fußball-Spiel Schalke gegen Nizza. Der Zeuge zur B.Z.: „Gegen Ende des Spiels hörte ich Geklapper im Treppenhaus. Dachte, es würde mal wieder jemand umziehen.“

Der Leichnam des Opfers, der in Claus-Brunners Wohnung gefunden wurde, soll nackt und mit Kabelbindern gefesselt gewesen sein. Zudem sei die Leiche bereits stark verwest gewesen.