Istanbul: Türkische Journalisten stehen vor Gericht

Diese Demonstranten in Istanbul protestieren dagegen, dass Mitarbeitern der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ der Prozess gemacht wird.

Mehr als 250 Tage nach ihrer Inhaftierung müssen sich 17 Mitarbeiter der Zeitung vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, Terrororganisationen unterstützt zu haben. Nach Auffassung derjenigen, die in Istanbul protestierten, sind diese Vorwürfe absurd. Die Journalisten stünden nur deshalb vor Gericht, weil sie ihren Job gemacht haben, sagt Johann Bir von Reporter ohne Grenzen:

„Cumhuriyet ist eine der letzten unabhängigen Medien in diesem Land. Das erklärt, warum diese Journalisten vor dem Richter stehen. Die Terrorbeschuldigungen sind völlig abwegig, sie gehören nicht ins Gefängnis. Wir sind hier, weil wir ihre Freilassung fordern. Und auch die Freilassung aller anderen türkischen Journalisten hinter Gitter.“

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei wurden mehr als 150 Medienhäuser geschlossen und mehr als 160 Journalisten verhaftet. Darunter auch Deniz Yücel. Kritik am türkischen Präsidenten Erdogan sei gefährlich, sagt der Oppositions-Politiker Baris Yarkadas:

„Unsere Journalisten-Freunde sind wegen der Geschichten, die sie geschrieben haben, im Gefängnis. Natürlich kann die Regierung das nicht zugeben. Deshalb haben sie sich einen anderen Grund ausgedacht, der jeden überzeugt. Die Terror-Organisation von Fethullah Gülen.“

Die türkische Regierung mach die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Im Prozess angeklagt ist auch der ehemalige Chefredakteur der Zeitung Can Dündar, der in Deutschland im Exil lebt. Nach Angaben von Reportern ohne Grenzen droht den Angeklagten bis zu 43 Jahre Haft.