Türkei nimmt hungerstreikende Lehrer in Haft

Strenge Sicherheitsvorkehrungen vor einem Gerichtsgebäude in Ankara. Nach der Verhaftung zweier Lehrer, die aus Protest gegen ihre Entlassung im Hungerstreik sind, fürchten türkische Behörden Demonstrationen von Unterstützern der Akademiker. Nuriye Gülmen und Semih Özakca waren in der Nacht zum Montag festgenommen worden. Nach 75 Tagen Hungerstreik hatte sich der Gesundheitszustand der beiden Lehrer verschlechtert. Einer ihrer Anwälte vermutet, die türkischen Behörden hätten Angst, dass ihr möglicher Tod eine Empörungswelle wie bei den Gezi-Protesten 2013 auslösen könnte. Nach der Festnahme zogen am Montag rund 150 Demonstranten in der türkischen Hauptstadt auf die Straße. Die Polizei nahm mehrere Personen in Gewahrsam.

Die Staatsanwaltschaft in Ankara wirft den Lehrern vor, ihren Hungerstreik im Namen der linken Organisation DHKP-C durchgeführt zu haben, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

In einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft wandten sich die Literaturdozentin und der Grundschullehrer an die Öffentlichkeit.

„Sie können uns verhaften, obwohl sie keinen einzigen Beweis haben, aber wir werden uns ihrem Druck nicht beugen, auch nicht im Gefängnis.“

„Ihre ganzen Drohungen, uns zu verhaften und auch unsere Verhaftung jetzt zeigen nur, wie verzweifelt sie sind. Aber sie können uns unser Recht nicht nehmen, unsere Jobs zurückzufordern. Wir werden weiter hoffen und weiter kämpfen, so lange, bis wir gewonnen haben.“

Nach dem Putschversuch im vergangenen Sommer hatte es in der Türkei eine Welle von Verhaftungen und Entlassungen gegeben. 150.000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, der Justiz, der Polizei und des Militärs wurden seit Juli 2016 gefeuert oder vom Dienst suspendiert.