Trump brüskiert Nato-Verbündete bei erstem Treffen

US-Präsident Donald Trump hat den Nato-Verbündeten beim ersten Spitzentreffen in Brüssel die Leviten gelesen und seine finanziellen Forderungen an die Partner erhöht.

Die Szene aus dem neuen Nato-Hauptquartier scheint für manche Bände zu sprechen. Dort stieß US-Präsident Donald Trump den Ministerpräsidenten Montenegros, Dusko Markovic, am Donnerstag rüde zur Seite, um sich neben Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg aufzustellen.

Beim ersten Spitzentreffen in Brüssel hat der US-Präsident den Nato-Verbündeten die Leviten gelesen und seine finanziellen Forderungen an die Partner erhöht. Bei einer Zeremonie vor dem neuen Gebäude des Bündnisses ging es zeitweise nicht so recht feierlich zu.

O-Ton: „23 der 28 Mitgliedstaaten zahlen immer noch nicht, was sie für ihre Verteidigung bezahlen sollten. Das ist nicht fair gegenüber dem Volk und den Steuerzahlern in den USA. Viele der Länder haben in den vergangenen Jahren wegen mangelnder Zahlungen riesige Schulden angehäuft.“

Selbst Ausgaben in Höhe von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung, also des aktuellen Nato-Ziels, reichten nicht aus, um die Löcher zu stopfen und die Streitkräfte zu modernisieren, sagte Trump, der für seine Rede spärlichen Beifall von den übrigen Staats- und Regierungschefs erhielt.

In weiten Teilen von Trumps Rede ging es allerdings um den Anschlag von Manchester und seine erste Auslandsreise, die ihn auch nach Saudi-Arabien führte.

Die Nato war Trump bei seinen Forderungen nach höheren Wehretats und einem stärkeren Anti-Terror-Kampf entgegengekommen. Im Gegenzug hatten die Bündnispartner auf ein umfassendes Bekenntnis Trumps zur Allianz gehofft, die er einst als obsolet kritisierte. Doch das blieb in Brüssel aus. Und so wirkte Trumps Umgang mit dem montenegrinischen Ministerpräsidenten dann am Ende doch irgendwie symptomatisch.