Tote Flüchtlinge auf Ladefläche: Prozessauftakt in Ungarn

Staatsanwalt Gabor Schmidt sprach am Mittwoch fünf Stunden lang. Die Fahrt im Sommer 2015 hatte 71 Menschen das Leben gekostet.

Der zuständige Staatsanwalt sprach am Mittwoch fünf Stunden lang. Einer der sieben Verdächtigen sei noch immer flüchtig, so der Ankläger.
Zwei Jahre ist es her, dass in einem Kühllaster 71 Flüchtlinge erstickten. Im August 2015 fand man die Toten in Österreich nahe der ungarischen Grenze.

In Kecskemet in Ungarn hat am Mittwoch der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen begonnen. Ein Afghane und drei Bulgaren sind wegen Mordes angeklagt, außerdem wegen Menschenschmuggels in rund 1200 Fällen. Der letzte Anklagepunkt gilt ebenfalls für sieben weitere Bulgaren.

Bei den Toten handelt es sich um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder, sie alle hatte man in den Kühllaster gepfercht.

Der angeklagte Afghane, dem vorgeworfen wird, Kopf der Schmugglerbande zu sein, lächelte bei seiner Ankunft im Gerichtssaal. Er trug einen Ordner mit der Aufschrift „Gott ist groß“, geschrieben in seiner Muttersprache.

Staatsanwalt Gabor Schmidt sprach am Mittwoch fünf Stunden lang und erläuterte dabei 26 Fälle von Menschenschmuggels, darunter auch die Reise, die für 71 Menschen tödlich endete. Bereits eine halbe Stunde nach Beginn der Fahrt hätten die Menschen im Kühlraum zu schreien begonnen, der angeklagte Afghane habe am Telefon zu einem seiner Komplizen gesagt, er wolle, dass die Flüchtlinge auf der Ladefläche sterben. Die Leichen sollten später entsorgt werden. Die Schmuggler hätten die Fahrt zwei Mal unterbrochen. Dies habe einer Motorkontrolle gegolten, die Ladefläche habe niemand geöffnet.

Als keine Schreie mehr zu hören gewesen sein, hätten die Angeklagten den LKW in der Nähe des österreichischen Parndorf zurückgelassen.

Nach Angaben der ungarischen Behörden befindet sich einer Angeklagten noch immer auf der Flucht.