Für den Bundestag wird Tim Renner zum Nackedei

Berlins früherer Kultur-Staatssekretär zieht für den Bundestag blank.

Oh, là, là! Das ist aber ein ganz transparenter Wahlkampf. Sozi Tim Renner (52) wie Gott ihn schuf. Wowereits früherer Mann für die Kultur will so den Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf für die SPD holen. In seinem Kandidaten-Video für den 24. September macht sich Renner ziemlich nackig.

Kein Kandidat lässt so die Hüllen fallen: Klein-Tim beim verbotenen Zigarrerauchen. Fotos vom Vater, einem Filmregisseur, der mit einer Cutterin durchbrannte. Seine Mutter im Strandkorb, die nur noch einmal heiratete, damit die beiden Söhne versorgt sind. Klaus Wowereit (63), der ihn bei zwei Flaschen Rotwein zum Staatssekretärs-Job überredete.

Als all diese Lebens-Stationen Revue passiert sind, steht Renner plötzlich nackt da, schamhaft ein Album umklammernd. „Ich hab meine Frau bewusst vorher nicht gefragt“, sagt er. „Als sie das Video gesehen hat, war die erste Reaktion: Oh, Gott – aber dann hat sie gelacht.“

Renner will so das Eis brechen

Bei der letzten Wahl (2013) hat CDU-Kandidat Klaus-Dieter Gröhler (51) mit rund 8000 Stimmen Vorsprung die City-West erobert. Renner rennt ihm gezielt hinterher. Er folgt Analysen, wo besonders viele Wechselwähler und SPD-nahe Berliner überzeugt werden könnten: rund um den Kudamm, Halensee, südlich vom Volkspark Wilmersdorf.

Da tourt er mit seinem Fahrrad und verschenkt Gefrorenes – klingeling, dieser Kandidat will das Eis brechen. Und als Nackedei Schlagzeilen machen, wie Thomas Krüger (58, SPD), der 1994 seine „ehrliche Haut“ auf den Wahlkampf-Plakaten zeigte.

Renner: „Bei der Erststimme geht es um Bekanntheit, Sympathie, Thema – in dieser Reihenfolge. Sie müssen einen kennen und mögen.“ Nackte Tatsachen halt. Die hat auch Gregor Gysi (Linke) als Wahlkampf-Thema entdeckt. Der 69-Jährige macht sich für den Erhalt der FKK-Kultur stark. Fazit: Nacktwahlkampf – das ist gerade der Renner!