Sumpfkrebse im Tiergarten: Neozoen machen sich im Tiergarten breit

Der Naturschutzbund Berlin vermutet, ein Aquarienhalter hat einige Sumpfkrebse im Tiergarten ausgesetzt.

Eigentlich sind solche Roten Amerikanischen Sumpfkrebse in Deutschland nur im Aquarienhandel zu finden. Aquarienhalter kaufen sie wegen ihrer markanten, roten Färbung. Seit neuestem residieren zahlreiche Exemplare auch in den Gewässern des Berliner Tiergartens. Nicht ganz ungefährlich für die heimischen Flora und Fauna, sagte Jürgen Götte, Fachbereichleiter Grünanlagen des Bezirks Berlin-Mitte.

„Der Krebs allgemein ist ja ein Allesfresser. Er ernährt sich praktisch von allem, was er findet, biologisch also Pflanzen oder auch Fischlaich oder von unseren einheimischen Fröschen den Laich. Davon ernährt er sich, und er kann dann ganze Arten, die hier einheimisch sind, verdrängen. Unter anderem ist er auch Überträger der sogenannten Krebspest, das ist allerdings eine pilzliche Krankheit, gegen die er selbst immun ist, aber unsere einheimischen Krebse, falls vorhanden, können davon befallen werden und sterben dann.“

Die Gattung stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist am Golf von Mexiko und in der Mississippi-Niederung heimisch. Der Naturschutzbund Berlin vermutet, ein Aquarienhalter hat einige Sumpfkrebse im Tiergarten ausgesetzt. Mit verheerenden Folgen: Die Population wächst rasant. Der Sumpfkrebs vermehrt mehrmals im Jahr jährlich.

„Wir haben jetzt gemeinsam mit unserer Senatsverwaltung, dem Fischereiamt und unserem Bezirksamt, den Naturschutzverbänden, eine Aktion gestartet schon in dieser Woche einmal, um die Krebse hier abzusammeln, mit relativ wenig Erfolg, weil sie zur Zeit nicht so zu sehen sind. Wir werden diese Aktion in der nächsten Wochen nochmal wiederholen, um dann zu versuchen, die Krebse einzusammeln, und die werden dann vom Fischereiamt entsorgt.“

Unterdessen sollen die Krebse die Tiergartengewässer bereits selbst verlassen, allerdings nicht aus Rücksicht. Möglicherweise wird der Wandertrieb durch Populationsdruck ausgelöst. Die Abwanderung über Land ist eine Strategie, neue Lebensräume zu besiedeln, sagt der Nabu.