„Reporter ohne Grenzen“ kritisiert Verhaftung von deutscher Journalistin in der Türkei

Der Geschäftsführer der Organisation „Reporter ohne Grenzen“, Christian Mihr, sieht nach der Verhaftung der deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in der Türkei eine neue Eskalationsstufe erreicht.

„Deniz Yücel war deshalb ein besonderer Fall, weil er die türkische und die deutsche Staatsbürgerschaft besessen hat, und nun ist zum ersten Mal jemand inhaftiert – und offenbar auch längerfristig inhaftiert, als nur eine Nacht inhaftiert, das hatten wir immer wieder schon bei deutschen Fotografen vor allen Dingen, die mal für eine Nacht wo festgehalten wurden – dann ist das eine neue Eskalationsstufe, weil sie nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Das heißt deutsche Staatsbürger, die als Journalistinnen und Journalisten in der Türkei arbeiten, sind offenbar vor den langen Armen des Erdogan-Regimes nicht mehr sicher, und das ist schon eine ganz schlimme, neue Entwicklung.“

Tolu wurde in der Nacht auf den 1. Mai festgenommen, nach Angaben des Auswärtigen Amtes sitzt sie mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Anklageschrift stehe unter Geheimhaltung, sagt Mihr, wie so oft in solchen Fällen.

„Wir wissen, dass ihr vorgeworfen wird, oder einer der Beweise für ihr Vergehen, das wir nicht genau kennen, ist, dass sie an einer Beerdigung teilgenommen habe von zwei marxistischen Aktivisten. Dort allerdings, das ist belegbar, war sie als Berichterstatterin, und wenn das einer der Beweise ist, dann kann man sagen, ist sie wegen ihrer journalistischen Arbeit inhaftiert worden, und das ist dann ein weiterer, ganz schlimmer Angriff auf unabhängigen Journalismus.“

Journalisten, die einen türkischen Migrationshintergrund haben, sei von Reisen in die Türkei derzeit wahrscheinlich abzuraten, sagt Mihr. Die Bundesregierung hat von der Türkei unterdessen Zugang zu der Journalistin gefordert.