Prozessbeginn gegen Waffenhändler von Münchener Amokläufer

Grundlage des Verfahrens waren die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I.

Vor dem Oberlandesgericht München hat am Montagmorgen der Prozess gegen den Waffenhändler begonnen, der dem Attentäter von München über das sogenannte Darknet die spätere Tatwaffe verkauft hatte. Die Staatsanwaltschaft München I legt dem Angeklagten 32-jährigen Philipp K. illegalen Waffenhandel und fahrlässige Tötung in neun Fällen, sowie fahrlässige Körperverletzung in fünf Fällen zur Last. Das erklärte Gerichtssprecher Florian Gliwitzky und fährt fort mit weiteren Details:

„Grundlage des heutigen Verfahrens sind umfangreiche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I, die natürlich auch versucht hat zu klären, ob hier der Angeklagte über den späteren Amoklauf in Kenntnis war. Nach den Ermittlungen hat sich bisher dafür kein Anhaltspunkt ergeben. Selbstverständlich kann ein Gericht die rechtliche Bewertung noch ändern, es können sich ja noch Änderungen beim Sachverhalt ergeben. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist aber ausgehend von der Anklage der Staatsanwaltschaft zunächst einmal eine fahrlässige Tötung zu klären.“

Wenn sich der Sachverhalt herausstellen sollte, dass sowohl illegaler Waffenhandel, als auch fahrlässige Tötung vorliegen, muss der Angeklagte mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr rechnen.

Am 22. Juli vergangenen Jahres hatte ein 18-jähriger Amokläufer mit einer Pistole neun Menschen im Münchener Olympia Einkaufszentrum getötet. Er hatte zudem 300 Schuss Munition bei sich. Die Tat plante er, den Ermittlern zufolge, über den Zeitraum von einem Jahr. Seine Tatwaffe besorgte sich der Amokläufer über das sogenannte Darknet im Internet.

Gerichtssprecher Florian Gliwitzky fasste den ersten Verhandlungstag wie folgt zusammen:

„Nach Verlesung der Anklageschrift hat sich der Angeklagte über einen seiner beiden Verteidiger eingelassen. Es wurde eine schriftliche Erklärung verlesen, in der eingeräumt wurde, dass der Angeklagte mit Waffen gehandelt hat. Es hat der Angeklagte darüber hinaus auch sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass mit einer dieser Schusswaffen hier in München ein Amoklauf verübt worden ist. Er hat sich gegenüber den Angehörigen entschuldigend ausgedrückt und hat letztlich auch zum Ausdruck gebracht, dass er diese Tat insofern bereut.“

Die Ermittler werden in den kommenden Verhandlungstagen dann vermutlich auch weitere Details über die Beweggründe des Waffenlieferanten Philipp K. zu Tage fördern.