NSU-Prozess: Warten auf Zschäpe

Am Mittwoch will sich Beate Zschäpe erstmals persönlich im NSU-Prozess äußern.

Im Münchener NSU-Prozess blicken die Verfahrensbeteiligten und Prozessbeobachter mit Spannung auf die Hauptangeklagte Beate Zschäpe.

Ihre Stimme wird man im Gerichtssaal trotzdem nicht hören.

Zschäpe wolle am Mittwoch über ihn eine Erklärung abgeben, sagte ihr Verteidiger Mathias Grasel am Dienstag vor Gericht.

Mögliche Fragen wolle sie in schriftlicher Form bekommen und anschließend auch schriftlich beantworten.

In dem seit zweieinhalb Jahren laufen NSU-Prozess hat Zschäpe bislang keine Angaben gemacht.

Die Vertreter der Nebenklage Bernd Behnke und Mehmet Daimagüler warnten vor zu hohen Erwartungen, wenn sich das jetzt ändert: „Meine Erwartungen sind eigentlich eher runtergeschraubt. Wenn sie was sagt, dann freuen wir uns natürlich alle darüber, wobei wir hoffen, dass sie auch das Risiko kennt. Denn wenn sie etwas sagt, oder sagen lässt, und dann den Nachfragen hinterher nicht standhält, beziehungsweise nicht darauf antwortet, dann kann das ganze Aussageverhalten letztendlich gegen sie verwendet werden.“

„Und ich könnte mir gut vorstellen, dass es eine taktische Einlassung gibt, dass vielleicht das zugegeben wird, was nicht zu bestreiten ist, beispielsweise die Raubüberfälle – na ja, sie muss ja erklären, wovon sie gelebt hat über 10 Jahre – aber dass im Übrigen gesagt wird: ‚Mein Name ist Hase, ich wusste von nichts‘, oder ‚Die Jungs waren so stark, ich konnte mich nicht durchsetzen‘, irgendetwas, was aus ihrer Sicht ihr helfen könnte, was sie zumindest glaubt, aber nicht wirklich zur Wahrheitsfindung dient.“

Zschäpe ist angeklagt, für zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge aus rechtsextremen Motiven mitverantwortlich zu sein. Das Strafverfahren gegen sie und vier mutmaßliche Helfer der rechtsextremen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zählt zu den spektakulärsten und umfangreichsten der bundesdeutschen Geschichte. Beobachter erwarten ein Urteil des Oberlandesgerichts im Frühjahr 2016.