NSU-Prozess auf der Zielgeraden

Nach vier Jahren Verhandlung haben im Prozess um die Morde des NSU am Mittwoch die ersten Plädoyers begonnen.

Nach vier Jahren Verhandlung geht der NSU-Prozess um die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in die Schlussphase. Am Mittwoch begann die Bundesanwaltschaft mit ihrem Plädoyer. Die Anklage ist komplex. Das Gericht rechnet damit, dass allein der Vortrag der Anklage drei bis vier Tage dauern wird. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Zschäpe gleichberechtigtes Mitglied im rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) gewesen ist. Dem NSU werden unter anderem zehn Morde und zwei Bombenanschläge zugerechnet. Die Morde wurde von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verübt, mit denen Zschäpe zusammen wohnte. Die Anklage wirft Zschäpe vor, Mundlos und Böhnhardt unterstützt zu haben. Zudem habe auch sie die Taten gewollt. Zschäpe bestreitet das und behauptet, immer erst im Nachhinein von den Morden und Bombenanschlägen erfahren zu haben. Im NSU-Prozess sind über 90 Opfer und Angehörige von Opfern als Nebenkläger zugelassen. Einige von ihnen seien mit dem Verlauf des Prozesses nicht einverstanden, sagt der Vertreter der Nebenklage Mehmet Daimagüler:

„Wir haben in diesem Verfahren wesentliche Fragen nicht beantworten können. Die Bundesanwaltschaft sagt: isolierte Zelle, drei Personen. Das ist Unfug. Wir haben in diesem Verfahren 24 Personen gehabt, die zugegeben haben, 24 Personen als Zeuginnen und Zeugen, dass sie geholfen haben. Der eine hat eine Wohnung besorgt, der andere hat eine Waffe besorgt, der dritte hat ein Auto abgeschleppt, der vierte hat Ausweispapiere. 24 Personen.“

Der Prozess hatte im Mai 2013 begonnen. Die beiden prominentesten Angeklagten Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben haben sich teilweise zur Anklage geäußert und die Vorwürfe zurückgewiesen. Angeklagt sind auch fünf mutmaßliche Beteiligte und Helfer. Die mutmaßlichen Haupttäter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos brachten sich unmittelbar vor ihrer erwarteten Festnahme selbst um.