Nach den Anschlägen von Paris: Alarmzustand in Brüssel sorgt für wirtschaftliche Einbußen

Das Brüsseler Rathaus an der zentralen Grande Place am frühen Dienstagnachmittag – Tag vier der höchsten Sicherheitsstufe in der belgischen Hauptstadt – am Montag wurde der Alarmzustand um eine Woche verlängert. Zumindest die Schulen schon diese Woche wieder geöffnet werden.

Vorerst aber bleiben Behörden, Museen, Kinos, Einkaufszentren und Weihnachtsmärkte geschlossen. Noch immer steht die U-Bahn still. 1,2 Millionen Einwohner sind aus ihrem täglichen Rhythmus gerissen und die Wirtschaft leidet darunter. Das weiß auch Laetitia Shalaj, die in ihrem Spielzeuggeschäft um diese Jahreszeit für gewöhnlich alle Hände voll zu tun hat.

LAETITIA SHALAJ, SPIELZEUGVERKÄUFERIN: „Hier sollten eigentlich viele, viele Leute sein, die den Umsatz steigern. Die Menschen haben aber so eine Angst, ihre Wohnungen zu verlassen, dass sie erst gar nicht in die noch geöffneten Shops gehen. Sie kaufen lieber online ein. Das könnte der Todesstoß für viele Geschäfte sein.“

Olivier Willocx ist Präsident der Brüsseler Industrie- und Handelskammer Beci, in der 30.000 Unternehmen organisiert sind.

OLIVIER WILLOCX, PRÄSIDENT DER BECI HANDELSKAMMER FÜR BRÜSSEL: „Die Leute warten geradezu darauf, dass etwas geschieht, denn noch ist ja nichts passiert. In Paris hingegen sind die Menschen schon wieder in der Lage, Widerstand zu leisten. Dort wollen die Menschen demonstrieren, dass die Angst sie eben nicht im Griff hat. Die Bevölkerung will vor allem Solidarität mit den Opfern zeigen.“

Der Alarmzustand und die damit verbundenen Sorgen der Bevölkerung verursachten erhebliche wirtschaftliche Einbußen, so Willocx. Zahlen wolle er nicht nennen, aus Respekt vor den Opfern der Anschläge von Paris.

Auch die französische Unterhaltungsindustrie leidet. In Paris kamen am Dienstag Vertreter der Branche zusammen, um von der Regierung weitere finanzielle Unterstützung zu erbitten. Vor allem Betriebe der Live-Unterhaltung hätten nach den Attentaten auf das Stade de France, Cafés und vor allem auf den Musiksaal Bataclan erhebliche finanzielle Schwierigkeiten durch ausbleibende Zuschauer, so Jules Frutos, der Manager des Bataclan.

JULES FRUTOS, MANAGER BATACLAN: „Es geht darum, dieses Trauma zu überwinden, das Publikum dazu zu bringen, sich davon zu entfernen. Nur dann kommen sie zurück und diese besondere Beziehung mit den Live-Künstlern kann aufrecht erhalten werden. Das ist doch die beste Antwort, die wir geben können.“

Unterdessen gehen die Ermittlungen nach den Anschlägen von Paris weiter. Nach Polizeiangaben wurde am Dienstag in Montrouge südlich von Paris ein Sprengstoffgürtel gefunden. Außerdem sei ein Handy eines flüchtigen mutmaßlichen Attentäters in der französischen Hauptstadt lokalisiert worden.

Auch in Nordrhein-Westfalen hat die Suche nach dem flüchtigen mutmaßlichen Attentäter Salah Abdeslam für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt. Es habe einen Hinweis gegeben, dass sich Abdeslam im Raum Minden/Lübbecke aufhalten könnte. Nach ersten, intensiven Ermittlungen gebe es aber keine Erkenntnisse, dass sich der Gesuchte tatsächlich in der Region aufhalte, so die Polizei am Dienstagabend.