Mutmaßliche Putschisten-Anführer in der Türkei vor Gericht

Die mehr als 200 Angeklagten mussten auf ihrem Weg in den Gerichtssaal ein Spalier von Demonstranten passieren, die lautstark die Todesstrafe für sie forderten.

uf dem Weg zum Gerichtssaal am Rande der Hauptstadt Ankara müssen die Angeklagten ein Spalier von Demonstranten passieren. Diese fordern lautstark die Todesstrafe für die mutmaßlichen Putschisten.

Am Montag hat in der Türkei ein Prozess gegen mehr als 200 Personen begonnen, darunter Dutzende ranghohe Offiziere. Ihnen wird Verschwörung und Vorbereitung des Putschversuches im vergangen Jahr vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haftstrafen. Unter den Angeklagten sind der frühere Chef der türkischen Luftwaffe sowie weitere Generäle, Oberste und Majore.

O-Ton: „Ich bin hier, um die Rechnung mit den Terroristen zu begleichen und um zu zeigen, dass ich zu meinem Volk, meiner Flagge und meiner Religion stehe“, sagt dieser Zaungast. „Ich bin hier, um den Terroristen zu zeigen, dass wir das standhaft aushalten.“ Und auf die Frage nach seinen Erwartungen: „Ich will für sie die Todesstrafe in einem fairen Prozess. Die Verräter dieses Landes müssen bestraft werden.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Wiedereinführung der Todesstrafe ins Gespräch gebracht. Er macht den in den USA lebenden Prediger Fetullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Dieser soll nach Erdogans Darstellung ein ganzes Netzwerk in der Türkei aufgebaut haben. Gülen bestreitet die Vorwürfe.

Bei dem Putschversuch mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Panzern im vergangenen Juli wurden mehr als 240 Personen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Danach griff die türkische Regierung mit harter Hand durch. Rund 50.000 Menschen wurden wegen angeblicher Kontakte zum Gülen-Netzwerk festgenommen. Rund 150.000 Mitarbeiter der Verwaltung sowie von Justiz, Polizei und Bildungswesen wurden entlassen oder vom Dienst suspendiert.

In dem am Montag begonnenen Verfahren sind nun die mutmaßlichen Anführer der Putschisten angeklagt. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bewachten rund 1500 Sicherheitskräfte das extra für den Prozess errichtete Justizgebäude.