Gewalt und sexueller Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen

Der Abschlussbericht zum Skandal bei den Regensburger Domspatzen dokumentiert hundertfache Gewalt und sexuellen Missbrauch.

Der Skandal um den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen ist noch größer als bisher angenommen.

Mindestens 547 ehemalige Schüler sind in den vergangenen Jahrzehnten missbraucht worden.

Das geht aus dem Abschlussbericht hervor, den der Sonderermittler und Rechtsanwalt Ulrich Weber am Dienstag in Regensburg vorstellte. Demnach hätten 500 Kinder körperliche Gewalt erlitten, mehr als 60 zudem auch sexuelle Gewalt.

Die Opferzahl ist möglicherweise noch höher, sagte Weber. Es gebe eine Dunkelziffer.

Besonders in der Vorschule des Chores seien die Übergriffe umfassend gewesen, sagte Weber:

„Diese Institution beschrieben die Opfer als Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager. Viele von ihnen schilderten diese Zeit als schlimmste ihres Lebens, die geprägt war von Gewalt, Angst und Hilflosigkeit. Anlass für die Gewalt in der Vorschule waren stets Regelbrüche eines strengen und teilweise willkürlich ausgelegten Regelkatalogs. Fehlverhalten, Schlechtleistung oder nur das Kindsein wurden in Form von Individualstrafen, aber auch von Kollektivstrafen sanktioniert.“

Als mutmaßliche Täter seien rund 50 Personen ermittelt worden, sagte Weber. Bis 1992 sei durchgängig von körperlicher Gewalt berichtet worden. Dabei habe es bei den Domspatzen eine Kultur des Schweigens gegeben.

„Generell muss davon ausgegangen werden, dass nahezu alle Verantwortungsträger bei den Domspatzen zumindest ein Halbwissen über Gewaltvorfälle hatten, jedoch an der Thematik insgesamt wenig Interesse zeigten.“

Der Opferanwalt erhob auch Vorwürfe gegen den ehemaligen Chorleiter Georg Ratzinger. Diesem sei Wegschauen beziehungsweise fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis vorzuwerfen, sagte Weber.

Fast alle Vorfälle waren zu den jeweiligen Zeiten strafbar, inzwischen seien sei aber alle verjährt. Eine Strafverfolgung sei nicht mehr möglich, hieß es.