Lesbos, Griechenland: Trotz Abkommen weiter Flüchtlinge auf dem Weg in die EU

Auch einen Tag nach den ersten Rückführung von Flüchtlingen in die Türkei versuchen im Mittelmeer weiter Menschen Griechenland und damit die EU zu erreichen. Vor der Insel Lesbos rettete die griechische Küstenwache in der Nacht zum Dienstag fast 200 Menschen auf See, darunter zahlreiche Kinder.

Sie alle wurden in ein Aufnahmelager auf Lesbos gebracht, um von dort gegebenenfalls in die Türkei zurückgeschickt zu werden. Das Abkommen der EU mit der Türkei sieht vor, alle seit dem 20. März in Griechenland illegal eingereisten Flüchtlinge zurückzuschicken, wenn sie kein Asyl beantragen.

Trotz der Vereinbarung übte der türkische Präsidenten Erdogan Kritik an der Aufnahmepraxis der EU.

TURKISH PRESIDENT, TAYYIP ERDOGAN_ „Mit Stacheldraht wollen sie diese Menschen fernhalten. Wer weiß, wie viele in der Ägäis gestorben sind. Wir haben dort 100.000 gerettet.“

Die ersten rund 200 Flüchtlinge waren am Montag ins türkische Dikili abgeschoben worden. Dort fragt man sich, wie sinnvoll das Abkommen ist.

DIKILI RESIDENT, HUSNU YILDIZ_ „Sie schicken die Flüchtlinge zurück, aber die werden es weiter versuchen. Wir können sie nicht mit Gewalt hierbehalten. Und hier bleiben wollen sie nicht. Die Türkei ist für sie einfach eine Etappe.“

DIKILI RESIDENT, HALIL METIN KOCAERGIL_ „Ich verstehe es nicht. Warum nimmt man jene zurück, die schon dort waren, und tauscht sie dann eins zu eins? Außerdem wollen wir sie hier nicht. Jeder sollte einfach in seinem Land bleiben.“

Vor allem die Zahl der Zuwanderer soll mit dem Abkommen reduziert werden. Insgesamt kamen den griechischen Behörden zufolge aber auch am Montag mehr Flüchtlinge an, als aus dem Land gebracht wurden.

Video-Source: Reuters
Fotos: Reuters