Keine Angst vor Fake News?

Aufgebrachte Demonstranten in Berlin im Januar 2016 – wütend sind sie über die angebliche Vergewaltigung des Mädchens Lisa durch Flüchtlinge – die Staatsanwaltschaft ermittelte, der Fall sorgte für Aufregung – und war doch freu erfunden.

Fake News – auch vor der Bundestagswahl eine diffuse Bedrohung, die handfeste Auswirkungen haben kann, weiß Alex Sängerlaub von der Gruppe „Measuring Fake News“ bei der Stiftung Neue Verantwortung, einer Berliner Denkfabrik.

„Wenn man wirklich Fake News auf den Kern konzentriert, sind das im Grunde absichtlich gestreute Falschinformationen oder sogenannte Desinformationen, gibt es auch ein schönes deutsches Wort eigentlich für. Und das muss man abgrenzen, ganz klar, zu Phänomenen ‚Fake News‘ als politischer Kampfbegriff, wie ihn Trump gegen die klassischen Medien wie die New York Times oder CNN nutzt. Man muss es aber auch abgrenzen von journalistischen Fehlern, die versehentlich passieren.“

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen betonte noch im Sommer, seine Behörde habe eine mögliche Beeinflussung der Bundestagswahl durch Desinformation und Cyberangriffe „sehr genau im Blick“.

„Es gab ja große Angst nach dem amerikanischen Wahlkampf vor Einfluss von russischer Propaganda, Einfluss von falschen Nachrichten, die die Themenagenden der Medien dominieren. Und so ist das ja mitnichten. Es gibt Fake News. Die sind auch in gewissen Kreisen unterwegs. Viel kommt aus dem rechtspopulistischem Raum.“

Fake-News-Kaliber wie der Fall Lisa, der sogar eine Einlassung des russischen Außenministers bewirkte, sehe er derzeit nicht, so Sängerlaub. Auch Fake-News wie jene um einen beim Schlangestehen in Berlin tödlich erkrankten Flüchtling seien nicht zu beobachten.

Doch, wie unterscheiden? Fake News oder nicht?

„Auf jeden Fall, wenn man in ‚Social Media‘ unterwegs ist, und irgendeine Nachricht einem Spanisch vorkommt, hilft es total, die Quelle zu checken. Kenne ich die Quelle, wo das herkommt? Ist der Absender bekannt? Jetzt gar nicht unbedingt von dem, der das bei Facebook teilt, sondern von der Quelle, die er geteilt hat. Finde ich das vielleicht auch in einem anderen Nachrichtenmedium? Gibt es vielleicht noch eine zweite, eine Validierung, wie ja auch Journalisten arbeiten, Zwei-Quellen-Prinzip. Das ist, glaube ich, mit die beste Möglichkeit.“

Ob die von Parteien und Institutionen vor der Wahl ergriffenen Maßnahmen gegen Cyberattacken und Fake News ausreichen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.