Italien: Boot deutscher Flüchtlingshelfer beschlagnahmt

Die italienische Küstenwache hat im Mittelmeer das Flüchtlingsrettungsboot einer deutschen Hilfs-Organisation aufgebracht. Die Besatzung der „Iuventa“ stehe im Verdacht, der illegalen Einwanderung Vorschub zu leisten, erklärte die Polizei am Mittwoch. Das Boot der deutschen Gruppe „Jugend Rettet“ wurde zur Insel Lampedusa gebracht. Die Besatzung werde von der Polizei vernommen, teilte die Gruppe mit.

Die italienische Regierung hat von den nichtstaatlichen Hilfsorganisationen verlangt, einen Verhaltenskodex zu unterschreiben, wenn sie im südlichen Mittelmeer unterwegs sind. Dazu gehört unter anderem die Bereitschaft, einen bewaffneten Polizisten mitzunehmen. „Jugend Rettet“ gehört zu den Gruppen, die den Kodex nicht unterzeichneten.

Der Staatsanwalt der sizilianischen Stadt Trapani hat einigen Mitarbeitern von Organisationen vorgeworfen, mit Schleusern zusammenzuarbeiten. Offenbar wüssten die Helfer bereits vorher, wo überfüllte Flüchtlingsboote aufzufinden seien. In diesem Jahr sind nach Angaben des Innenministeriums in Rom mehr als 95.000 Flüchtlinge nach Italien gekommen – vor allem über Libyen. Mehr als 2000 Menschen – überwiegend Afrikaner – kamen demzufolge bei der Überfahrt ums Leben.