Fritz Felgentreu (SPD): „Was heißt es denn, Berliner zu sein?“

Das ist Fritz Felgentreu

Dr. Fritz Felgentreu kam 1968 im hohen Norden auf die Welt. Nicht in Pankow, nicht in Reinickendorf, sondern in Kiel. Nach dem Abitur 1987 rief zunächst die Pflicht. Zwei Jahre diente er bei der Bundeswehr. Heute ist Felgentreu Offizier der Reserve.

1989 verschlug es ihn dann nach Berlin an die Freie Universität. Sein Plan: Ein Studium in Klassischer Philologie, Slavistik und Psychologie. „Ich habe einfach das studiert, wozu ich Lust hatte“, sagt er. „Schon als kleiner Junge fand ich griechische Sagen toll.“

Seit 1992 ist Fritz Felgentreu SPD-Mitglied. Von 2001 bis 2011 saß er im Abgeordnetenhaus. 2013 gelang ihm dann als Direktkandidat der Sprung in den Deutschen Bundestag. Dort sitzt er im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und im Verteidigungsausschuss.

Fritz Felgentreu ist verheiratet und hat drei Kinder.

Felgentreu lebt seit 28 Jahren in Berlin, wurde in Kiel geboren (Foto: Frank Senftleben .)
Felgentreu lebt seit 28 Jahren in Berlin, wurde in Kiel geboren (Foto: Frank Senftleben .)

Felgentreu möchte am SPD-Bürgerbüro an der Hermannstraße in Neukölln abgeholt werden. Mehr Neukölln als hier geht nicht. Dönerbuden, Friseursalons und ein dauerhaftes Hupkonzert der Autofahrer.

Der SPD-Direktkandidat kommt mit einem belegten Brötchen in der Hand zum B.Z.-Smart. Er trägt blauen Anzug und weißes Hemd. Wenn Fritz Felgentreu redet, merkt man ihm an, das er jahrelang als Lehrer für Latein und Alt-Griechisch gearbeitet hat – auch wenn er manchmal wie eine Sigmar-Gabriel-Parodie klingt.

Was verbinden Sie mit dieser Gegend?

Das ist die Gegend, in der ich damals in Berlin angekommen bin. Ich bin im September 1989 nach Berlin gezogen und habe damals eine Wohnung in der Leinestraße gefunden, wo ich die ersten acht Jahre als Student gelebt habe. Später hatte ich hier für zehn Jahre meinen Wahlkreis, als ich im Abgeordnetenhaus saß.

Sie leben seit 28 Jahren in Berlin. Würden Sie sich selbst als Berliner bezeichnen?

Auf jeden Fall. Ich habe den größten Teil meines Lebens hier verbracht. Klar habe ich noch Heimatgefühle, wenn ich an die Gegend denke, in der ich groß geworden bin. Aber mein Lebensschwerpunkt ist seit fast 30 Jahren Berlin. Auch meine Kinder sind hier geboren und groß geworden. Was heißt es denn, Berliner zu sein? Statistisch betrachtet sind von den 3,5 Millionen Menschen, die in Berlin leben, glaube ich, eine Million hier geboren. Die entscheidende Frage ist: Schlägt das Herz für die Stadt und die Menschen die hier wohnen? Und habe ich ein ernsthaftes Interesse daran, die Dinge für die Menschen hier besser zu machen?

Sie sind Offizier der Reserve. Kann man es sich als Politiker leisten, gegen jeden Auslandseinsatz zu sein?

Ich glaube nicht. Wer verantwortungsvoll in Deutschland regieren will, muss sich klarmachen, dass wir eigentlich in paradiesischen Zeiten leben. Wir haben eine unglaublich kleine Armee. Wir sind ein 80-Millionen-Volk in der Mitte Europas ohne natürliche Grenzen. Wir können uns den Luxus leisten, eine Armee mit nicht einmal 180.000 Soldaten zu haben. Das geht nur, weil wir Teil eines Bündnisses sind. Das können wir nur sein, wenn wir bereit sind, auch unseren Beitrag zu leisten. Wir kommen nicht drumherum bei internationalen Einsätzen mitzumachen, wenn sie eine völkerrechtliche Grundlage haben und die Regierung sagt, dass es politisch sinnvoll ist.

Felgentreu ist Reservist und sieht in Auslandseinsätzen der Bundeswehr nicht nur einen Sinn, sondern eine Notwendigkeit (Foto: Frank Senftleben)
Felgentreu ist Reservist und sieht in Auslandseinsätzen der Bundeswehr nicht nur einen Sinn, sondern eine Notwendigkeit (Foto: Frank Senftleben)

Der Wahlkreis in Zahlen:

Neukölln hat die Wahlkreisnummer 82

► 202.917 Wahlberechtigte

► Die größten Gruppen:

45–59 Jahre mit 24,5 %

und 25–34 Jahre

mit 20,5 %

► Migrationshintergrund: 17,6 %

► evangelisch: 25,3 %

► katholisch: 10,6 %

► ledig: 42,8 %

► verheiratet: 39,2 %

► Hartz-IV-Fälle: 28,9 %

► Wohnlage einfach: 83,7 %

► Wahlbeteiligung 2013: 68,5 %

► Zweitstimmen 2013:

29 % CDU und 26,2 % SPD

► Wahlkreissieger:

2002/2005 SPD

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