Fidget Spinner: Deshalb wollen alle Kinder einen Handkreisel

Es soll die Nerven beruhigen, Stress lösen und die Konzentration steigern: Ein kleines Spielzeug namens Fidget Spinner.

In den USA haben sich die bunten Fingerkreisel in den vergangenen Monaten rasend schnell verbreitet, nun ist der Spielzeugtrend auch in Deutschland angekommen.

Fidget Spinner: „In meiner Klasse haben schon alle einen”

„In meiner Klasse haben schon alle Jungen einen”, sagt der achtjährige Fynn aus Berlin. In der Mitte hat der Fidget Spinner ein Kugellager, um das sich meist drei Flügel drehen. Der Name setzt sich aus dem englischen Wort für zappeln und Kreisel zusammen. „Damit zu spielen ist super, wenn mir langweilig ist, und ich kann auch schon ein paar Tricks”, erzählt der Drittklässler.

Seit einem Monat gibt es die Handkreisel in Deutschland zu kaufen, Lehrer in den USA beobachten den Hype schon etwas länger. „Die Fidget Spinner tauchten wie aus dem Nichts auf und plötzlich schien jedes Kind einen zu haben”, sagt Meredith Daly, die eine sechste Klasse an einer öffentlichen Schule nahe Phoenix im US-Bundesstaat Arizona unterrichtet. „Die Kinder sagten ‚das hilft mir, mich zu beruhigen’”.

Man muss den Fidget Spinner immer am Laufen halten

Die Lehrerin ist anderer Ansicht: „Man muss den Fidget Spinner immer am Laufen halten und das ist eine zu große Ablenkung, wenn man etwas Neues lernen soll. Also haben wir beschlossen, dass die Fidget Spinner im Ranzen bleiben”, sagt Daly. Nur bei hyperaktiven Kindern, die Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, duldet sie das Spielzeug im Unterricht. Manche Schulen in den USA, Frankreich und Großbritannien haben die bunten Kreisel völlig verboten – selbst in den Pausen.

Deutsche Schulen sehen die Fidget Spinner offenbar weniger problematisch. „Bisher sind sie mir nicht negativ aufgefallen, obwohl jedes zweite, dritte Kind inzwischen so ein Ding hat”, sagt Kerstin Wechmann, die in Berlin-Kreuzberg an einer Grundschule unterrichtet.

Im Gegenteil: „Das ist eine feinmotorische Übung, auf die sich die Kinder konzentrieren müssen. Sie versuchen sogar, sie mit den Zehen zu drehen.” Im Unterricht seien die Fidget Spinner tabu – „genauso wie jedes andere Spielzeug auch”.

Mónica Castilla, Spanischlehrerin an der Berliner Nelson-Mandela-Schule, ist sogar ein wenig erleichtert über die neue Beschäftigung der Schüler auf dem Pausenhof – weil sie „Bottle Flip” abgelöst hat, ein Spiel, bei dem Plastik-Wasserflaschen so geworfen werden, dass sie möglichst auf dem Deckel zu stehen kommen. „Bottle Flip war laut und hat genervt, die Fidget Spinner dagegen sind schön leise”, sagt Castilla. Sie erinnern die Fidget Spinner an die Spielerei, mit der sich Schüler seit Jahrzehnten die Zeit vertreiben: Stifte möglichst schnell zwischen den Fingern zu drehen.

Fidget Spinner: „Megatrend auf den Schulhöfen Deutschlands”

Am meisten freuen sich die Spielwarenhändler über das neue Spielzeug: Fidget Spinner seien „der Megatrend auf den Schulhöfen Deutschlands”, sagt Willy Fischel, Geschäftsführer beim Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels. Der Umsatz habe geschätzt bereits eine Million Euro erreicht. Je nach Ausführung kosten die Kreisel zwischen fünf und 30 Euro und manchmal sind sie in einigen Geschäften sogar ausverkauft.

Im Moment geht Fynn nicht mehr ohne seinen blau-grünen Drehkreisel in die Schule. Doch schon dem Achtjährigen ist klar, dass der Hype nicht ewig anhalten wird: „Bald wird es auf dem Schulhof was anderes geben”, sagt Fynn. Die Spielzeugindustrie hat auch schon Ideen, was das sein könnte: Im August kommt der Fidget Cube auf den Markt – ein Würfel, auf dem zappelige Finger auf jeder Seite eine andere Beschäftigung finden.



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