Evangelischer Kirchentag in Berlin: Obama und Merkel beschwören Glauben an eine bessere Welt

„Du siehst mich“ – heißt die Losung des 36. Evangelischen Kirchentages. Gemeint ist natürlich Gott, aber auch die Berliner Polizei schaute bei der Großveranstaltung am Brandenburger Tor ganz genau hin. Denn auf der Bühne wurde am Donnerstag prominenter Besuch empfangen. Ex-US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel waren zu einer Diskussionsrunde geladen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie die Menschenwürde in Zeiten von Krieg und Flüchtlingskrisen gewahrt werden könne.

„In den Augen Gottes verdient ein Kind auf der anderen Seite der Landesgrenze genauso viel Barmherzigkeit und Mitgefühl, wie mein eigenes. Wir können keinen Unterschied zwischen ihnen machen, was ihren Wert und ihre Würde angeht, oder ihr Recht auf Schutz, Bildung und Liebe. Aber wir sind eben auch Regierungschefs und haben eine Verantwortung für die Bürger innerhalb unserer Grenzen.“

Merkel verteidigte die umstrittenen Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan.

„“Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache, ich will aber trotzdem sagen, dass auch aufpassen müssen, dass wir wirklich denen helfen, die wirklich unsere Hilfe brauchen. Und davon gibt es mehr als genug auf der Welt.“

Obama sagte, man müsse sich der Tendenz, Menschenrechte oder die Demokratie zu unterdrücken, entgegenstellen.

„Jetzt, da ich nicht mehr Präsident bin, und trotzdem hoffe, noch ein bisschen Einfluss zu haben, möchte ich dazu beitragen, mehr junge Menschen zu ermutigen, sich den Herausforderungen zu stellen. Damit eine neue Generation von Führungspersönlichkeiten entsteht, und wir diejenigen an den Rand drängen können, die versuchen, uns zu spalten.“

Aber es gibt auch Momente der Heiterkeit. Unter anderem, als die Bundeskanzlerin auf die Bemerkung des EKD-Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, neben ihm sitze ja der lange Zeit mächtigste Mann der Welt, erst etwas irritiert blickt.

Bedford-Strohm: „Es dauert immer einen Moment, bis die Übersetzung angekommen ist.“ Merkel: „Nein, nein, ich habe nur so geguckt, weil: neben ihnen sitze ja erst mal ich.“

Ein Name fiel während der 90-minütigen Veranstaltung übrigens nicht – der von Obamas Nachfolger Donald Trump.