Eva Högl (SPD): Eine Kandidatin – fünf Vornamen

Eva Högl (48) kommt auf ihrem Hollandrad zum Leopoldplatz geradelt. Sie wohnt ja auch im nahe gelegenen Sprengelkiez.

Mit den Vornamen haben es ihre Eltern gut gemeint: Eva Alexandra Ingrid Irmgard Anna Högl heißt die gebürtige Niedersächsin mit vollem Namen. Ziemlich lang für ein Wahlplakat. Dort muss ihr erster Name Eva reichen. Sie möchte für die SPD das Direktmandat im Wahlkreis Mitte holen.

In Berlin mangelt es an bezahlbarem Wohnraum. Unter Klaus Wowereit wurden damals landeseigene Wohnungen verkauft. Ein Fehler?

„Ja, das war ein Riesenfehler. Das war die Zeit, als alle dachten, es gibt kein Problem am Wohnungsmarkt. Das hat sich rasant geändert. Was Berlin so toll macht, ist, dass die Innenstadt bewohnt ist. Wenn Sie das mit anderen europäischen Hauptstädten vergleichen, sind die Innenstädte komplett entkernt. Da kann sich niemand das Wohnen leisten. Es ist grundsätzlich in Ordnung, dass ein paar Lagen Premiumlagen sind. Auf der anderen Seite gibt es in Mitte, zum Beispiel in der Wilhelmstraße, noch bezahlbaren Wohnraum. Die WBM hat auch Wohnungen um das Rote Rathaus und auf der Fischerinsel. Diesen bezahlbaren Wohnraum in den Premiumlagen müssen wir erhalten.“

Kurzer Zwischenstopp mit dem B.Z.-Wahl-O-Smart an der Bernauer/Ecke Brunnenstraße. 28 Jahre hat hier die Mauer gestanden, 28 Jahre steht sie jetzt nicht mehr. Heute ist hier die Grenze zwischen dem Brunnenviertel und dem hippen Mitte.

SPD-Kandidatin Eva Högl (Foto: Siegfried Purschke)
SPD-Kandidatin Eva Högl (Foto: Siegfried Purschke)

Muss man in dieser Gegend hip sein und Club Mate im Blut haben, um bei den Wählern anzukommen?

„Ich bin dieselbe in allen Kiezen. Überall habe ich mit ganz unterschiedlichen Leuten zu tun. Selbst in Wedding, Moabit und Tiergarten sind die Kieze unterschiedlich und auch hier in Alt-Mitte. Zu Alt-Mitte gehören ja auch die Fischerinsel und die Luisenstadt. Sie müssen genau wissen, welche Leute da wohnen, um auch die Probleme aufgreifen zu können. Und auch in Alt-Mitte geht es längst nicht allen Leuten gut. Ich bekomme bei meinen Türgesprächen einen direkten Eindruck, wie es den Leuten geht, was die Themen sind, und habe die Chance auf ein persönliches Gespräch.“

Trinken Sie lieber Bier oder Wein?

„Ich trinke beides gerne. Ich bin Jever-Trinkerin, also schön herb und Eschenbräu aus meinem Wahlkreis. Außerdem gerne deutschen Wein wie Riesling, je nach Stimmung. Wir haben von den SPD-Kandidaten ein Rezeptbuch. Dort haben alle ein Rezept veröffentlicht. Bei mir steht Oldenburger Grünkohl drin.“

Zum Ende der Tour sagt sie den plattdeutschen Spruch zum „Ammerländer Löffeltrunk“ auf. „Ick seh Di. Dat freit mi. Ick sup Di to. Dat do. Ick hev Di tosapen. Hest‘n Recht‘n drapen.“ Ein Stückchen Niedersachsen steckt in Eva Högl auch nach 16 Jahren Berlin noch.

Wer ist die SPD-Kandidatin Eva Högl?

Geboren wurde Eva Högl 1969 in Osnabrück. Ihr Abitur machte sie im Jahr 1988 in Bad Zwischenahn (beides Niedersachsen). Zum Jura-Studium ging es zurück in ihre Geburtsstadt, wo sie im Jahr 1997 promovierte.

Von 1999 bis 2009 arbeitete sie im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Zunächst in Bonn, ab 2001 in Berlin.

SPD-Mitglied ist Eva Högl seit 1987. Von 1991 bis 1995 war sie stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende. Seit 2007 ist sie Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Berlin.

Seit 2009 sitzt Frau Högl als Direktkandidatin für den Wahlkreis Mitte im Bundestag. Sie ist Mitglied im Wahlausschuss und im Ausschuss für Kultur und Medien. Zur Bundestagswahl ist sie Spitzenkandidatin der Berliner SPD. Eva Högl ist verheiratet, kinderlos und lebt in Wedding.

Der Bezirk Mitte in Zahlen

Mitte hat die Wahlkreisnummer 75

► 205.543 Wahlberechtigte

► Die größten Gruppen: 25–34 Jahre mit 24,4 % und 45–59 Jahre mit 23,9 %

► Migrationshintergrund: 18,6 %

► evangelisch: 21,1 %

► katholisch: 10,6 %

► ledig: 52 %

► verheiratet: 30,7 %

► Hartz-IV-Fälle: 26,2 %

► Wohnlage einfach: 69,4 %

► Wahlbeteiligung 2013: 75,3 %

► Zweitstimmen 2013: 26,1 % SPD und 22,6 % CDU

► Wahlkreissieger: seit 2002 SPD

► Vorsprung 2013: 6095 Stimmen mehr für die SPD-Kandidatin