Erdogans Schatten auf der Bundestagswahl

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe berichtet, dass viele Deutschtürken türkischstämmigen Abgeordneten Illoyalität vorwerfen.

Am 24. September wählen die Deutschen einen neuen Bundestag. Unter den etwa 4800 Kandidaten sind auch einige mit türkischen Wurzeln. Cansel Kiziltepe ist eine von Ihnen, für die SPD kämpft sie im Berliner Osten um Stimmen. Dort leben zwar viele türkischstämmige Bürger. Auf deren Stimmen kann Kiziltepe aber nicht unbedingt zählen. Grund sind die Verwerfungen zwischen der deutschen und der türkischen Regierung. Wie die meisten türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten hat sich Kiziltepe gegen Erdogan positioniert. In der türkischen Gemeinde brachte ihr das viel Kritik ein.

CANSEL KIZILTEPE (SPD):

„Die Gesprächskultur ist vergiftet aufgrund dieser Diskussion. Aber ich bin deutsche Politikerin, ich mache für Deutschland Politik, für die Menschen hier und für das Leben hier. Es gibt natürlich Anfeindungen. Wir als türkeistämmige Abgeordnete bekommen Mails, in der wir bedroht werden, beschimpft werden, in der gesagt wird, wir würden uns illoyal gegenüber der Türkei verhalten. Das sehe ich nicht so, ich versuche die Diskussion zu versachlichen.“

In der türkischstämmigen Bevölkerung beobachtet die SPD-Politikerin eine Spaltung in verschiedene Lager, die bis in Familien und Freundschaften hineinreiche. Kiziltepe sieht eine verhärtete Rhetorik, die ihrer Meinung nach auch für die EU-Beitrittsverhandlungen hinderlich sei.

CANSEL KIZILTEPE (SPD):

„Wir als Sozialdemokratie haben immer die Türkei unterstützt. Wir wollten immer, dass die Türkei EU-Mitgliedsland wird. Wir haben immer das Gespräch gesucht. Aber das geht auch immer bis zu einer gewissen Grenze. Wenn nichts zurückkommt, dann muss man auch sagen ‚bis hierher und nicht weiter‘, und dann müssen auch die Gespräche zum Beitritt der Türkei in die Europäische Union gekappt werden, und wirtschaftliche Sanktionen müssen folgen.“

Cansel Kiziltepe ist gebürtige Berlinerin. Mit ihrer deutschen der ihrer türkischen Staatsbürgerschaft sieht sie sich als Vermittlerin zwischen den Kulturen. Bei einer abgrenzenden und harten Rhetorik falle dies aber natürlich immer schwerer, sagt die SPD-Politikerin.