Ein Besuch in Donezk – Europas schlimmstem Krisenherd

Knapp ein Jahr alt ist die Minsker Friedensregelung für die Ostukraine. Doch je näher der Jahrestag rückt, desto heftiger wird dort gekämpft. Eine Reportage von der Kriegsfront.

Das warme Wetter der ersten Februartage macht einen Dreckhaufen aus dem sogenannten Ameisenhügel. Der Erdwall ist die Stellung der ukrainischen Soldaten am zerstörten Flughafen von Donezk im Osten der Ukraine. An diesem Morgen schieben Menschen verschiedener Berufsgruppen Wache für das Land. Nur wenige hundert Meter entfernt haben sich die prorussischen Separatisten eingegraben. An kaum einer Stelle im Kriegsgebiet Ostukraine stehen sich beide Seiten so dicht gegenüber und nirgendwo wird so viel geschossen wie an diesem Flughafen, meist nachts. Die Freiwilligen hieven deshalb tagsüber schwere Kisten mit Munition über eine steile Treppe nach oben.

Taras, ukrainischer Soldat und eigentlich Möbelhändler:

«Ich bin hier, weil ich möchte, dass die Ukraine enger an Europa rückt, damit wir europäische Sitten und Gesetze lernen, und dass bei uns alles so gut wird wie in Europa.»

Wie seine Kameraden auf dem Ameisenhügel hofft auch er auf den Befehl zum Angriff, auf einen Sieg über die Separatisten. In der Nähe liegt das Dorf Opytne. Es ist das letzte ukrainisch kontrollierte Dorf vor dem Donezker Flughafen. Dort sind alle Häuser kaputt, zerschossen. Es gibt keinen Strom, kein Gas, kein Wasser. Trotzdem leben noch einige Dutzend Bewohner in den Trümmern. Manchmal bringt eine Sondereinheit der ukrainischen Armee Hilfsgüter ins Dorf, gespendet unter anderem von der Diakonie in Deutschland.