Desaströse Nacht für May – „Hung Parliament“ mit Patt droht

Bei der Parlamentswahl in Großbritannien könnte Regierungschefin Theresa May Prognosen zufolge vor dem Verlust der absoluten Mehrheit stehen. May sagte am frühen Freitagmorgen zunächst nur, sie wisse, dass das Land eine Periode der Stabilität brauche. Labour-Chef Jeremy Corbyn forderte ihren Rücktritt.

Es ist keine gute Nacht für Theresa May, so viel scheint sicher. Bei der Parlamentswahl in Großbritannien könnte die britische Regierungschefin Prognosen zufolge völlig überraschend vor dem Verlust der absoluten Mehrheit stehen. Ihre Konservativen können laut einer Nachwahlbefragung nur noch mit 314 der 650 Sitze rechnen. Berechnungen etwa der BBC am frühen Freitagmorgen zeichneten nur ein unwesentlich freundlicheres Bild.

Damit droht ein „Hung Parliament“ und ein politisches Patt, was die anstehenden Brexit-Verhandlungen verzögern und enorm erschweren könnte. Bei einem Zwischenstand, bei dem 550 der 650 Sitze ausgezählt waren, kamen Mays Tories auf 256 Abgeordnete und Labour auf 231.

May äußerte sich in einer ersten Reaktion zurückhaltend.

O-Ton: „Mehr als alles andere braucht dieses Land aktuell eine Periode der Stabilität. Wenn die Prognosen richtig sind und die Konservativen die meisten Stimmen und Sitze gewinnen sollten, dann ist es für uns obligatorisch, diese Periode der Stabilität zu liefern. Und genau das werden wir tun.“

Auch Mays politische Zukunft stand in der Nacht zum Freitag infrage. So forderte Labour-Chef Jeremy Corbyn ihren Rücktritt. Die Premierministerin habe Stimmen und Unterstützung verloren. Das sei in seinen Augen Anlass genug, zu gehen und Platz für eine Regierung zu machen, die tatsächlich die Bevölkerung vertrete.

Eigentlich wollte May durch die vorgezogene Wahl ihre absolute Mehrheit im Unterhaus ausbauen und sich Rückendeckung für ihre harte Linie bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU holen. Mit aussagekräftigen Ergebnissen wurde noch für Freitagvormittag gerechnet.