Berlin: Polizei beklagt zunehmende Gewaltund Verrohung in der Gesellschaft

Für Polizeistreifen ist es fast schon Alltag: Kleinste Einsätze wie Ladendiebstähle oder Ruhestörungen können heutzutage jederzeit in Gewalt ausarten. Auf verbale Beleidigungen folgen oft und schnell tätliche Auseinandersetzungen. Nicht nur an Brennpunkten wie dem Alexanderplatz in Berlin. Hier rechnen die Beamten mit allen Szenarien und versuchen sich darauf vorzubereiten. Deshalb gibt es dann auch Handfesseln für einen aggressiven Ladendieb. Kommissarin Corinna Dürre erklärt das Verhalten der Polizei wie folgt:

„Bei der Festnahme hat er sich gewehrt gehabt und dementsprechend wurde er zur Boden gebracht und ihm Handfesseln angelegt. Leider hat dies die Situation nicht beruhigt und er hat weiterhin die Kollegen und die umherstehenden Leute beleidigt, so dass er dann noch irgendwann rausgeführt werden musste. Er wurde jetzt mit einem Transporter zur Gefangenensammelstelle transportiert und dort wird er erkennungsdienstlich behandelt.“

Die Beamten dieser Streife wollten nicht unbedingt von zunehmender Gewalt ihnen gegenüber sprechen. Doch es gibt sie, diese Wahrnehmung von aggressiven Übergriffen. Polizeikommissar Maurice Eckebrecht erläutert, wie sich für ihn die aktuelle Situation darstellt:

„Ich habe das Gefühl schon, dass Respekt im Sinne von der körperlichen Unversehrtheit, also sei es, dass ich jemand schlage oder was auch immer, dass das Niveau schon runtergegangen ist definitiv.“

Bei der Polizeigewerkschaft GdP sieht man durchaus einen Anstieg der Übergriffe auf Polizisten. Dort begrüßt man deshalb die jüngsten Gesetzesänderungen, mit deren Hilfe die Gewalt gegen Beamte bekämpft werden soll. Gewerkschaftssprecher Benjamin Jendro, kürzlich in Berlin:

„Also, es ist alleine so, dass wir in Berlin in den letzten Jahren einen Anstieg immer so um acht Prozent hatten und der im deutschen Trend auch klar zu sehen ist. Da sprechen wir allein in der Hauptstadt von etwa 20 Angriffen auf Vollzugsbeamte an einem Tag.“

Gewerkschaftssprecher Jendro bestätigt also, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren so entwickelt hat, dass die Polizeibeamten eigentlich bei jedem Einsatz, hinter jeder Haustür, bei jeder Fahrzeugkontrolle damit rechnen müssen, dass sie angegriffen werden. Und dieser Entwicklung müsse man mit allen Mitteln entgegenwirken.