Berlin-Charlottenburg: 50 Jahre nach dem Tod von Benno Ohnesorg

Dutzende Menschen erinnerten am Freitag vor der Deutschen Oper in Berlin-Charlottenburg an Benno Ohnesorg. Vor 50 Jahren, am 2. Juni 1967, hatte ein Polizist in der Nähe den Studenten erschossen. Junge Menschen hatten gegen den Besuch des Schahs von Persien und seiner Frau protestiert. Zusammen mit dem damaligen Bundespräsidenten wollten sie einer Aufführung der „Zauberflöte“ beiwohnen. Der Leiter der Polizeihistorischen Sammlung, Jens Dobler, hat die Ereignisse aufgearbeit.

„Das Kaiserpaar geht in die Oper, die Oper beginnt, die Türen werden geschlossen und nun könnte man hoffen, die Demonstranten ziehen ab, das Ganze beruhigt sich und jetzt wird der große strategische Fehler gemacht: Es wird eben nicht die ganze Sache beruhigt, sondern es wird gesagt, jetzt räumen wir. Und dann wird dieser Schlauch, wo die Demonstranten, aber auch mit den Besuchern zusammen eingepfercht sind, wird nun polizeilicherseits geräumt, mit Gummiknüppeln. Und das führt zu Fluchtreaktionen in beide Richtungen, zu Panik, zu Verletzten.“

Einige Studenten fliehen in Richtung der nahe gelegenen Krumme Straße. Unter ihnen – auch Ohnesorg. Hinzu kommen Zivilbeamte vom kriminalpolizeilichen Staatsschutz. Einer von ihnen schießt: Karl-Heinz Kurras. Er verletzt Ohnesorg tödlich. Und tritt damit eine Lawine los.

„Diese junge Studentenbewegung, man fing überhaupt dann erst an, sich mit den Studenten zu beschäftigen. Was sind das für Leute? Was denken die eigentlich? Was für Pläne haben die? Und es wurde überhaupt mal klargemacht: die haben also ein Recht auf Demonstrationsfreiheit, die haben ein Recht, das, was sie dort proklamieren, auch zu äußern und ihr als Polizei habt diese Demonstration auch zu schützen und nicht niederzuknüppeln. Also, diese Kultur des Miteinanders wurde dann überhaupt erst geschaffen. Das sind so die Folgen in der Polizei, die aus dem 2. Juni entstanden sind.“

Die Polizei hatte den Einsatz gefilmt und Fotos gemacht. Erstmals seit 50 Jahre hat sie die Aufnahmen veröffentlicht. Besucher können sich nun in der Polizeihistorischen Sammlung Berlin ein eigenes Bild von dem Geschehen machen.