Beate Zschäpe bestreitet Beteiligung an Mordserie des NSU

Vor dem Oberlandesgericht München hat die Angeklagte nach fast 250 Verhandlungstagen ihr Schweigen gebrochen. Ihr Anwalt verlas ihre schriftliche Aussage.

Im Münchner NSU-Prozess hat die Hauptangeklagte Beate Zschäpe eine direkte Beteiligung an der Mordserie abgestritten. Sie sei weder an den Vorbereitungen noch an der Tatausführung beteiligt gewesen, erklärte Zschäpe in einem am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München durch ihren Anwalt verlesenen Text.

Von den Taten ihrer Kameraden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos habe sie erst später erfahren, aber nicht die Kraft gehabt, sich zu stellen. Im Text schilderte sie außerdem ihren Weg von einer trostlosen Kindheit in Jena bis zum Abtauchen der Gruppe in den Untergrund. Aus ihrer Sicht habe es sich etwa bei einem Bombenanschlag in Köln um eine „brutale und willkürliche Aktion gehandelt“. Vom Bau der Bombe habe sie nichts mitbekommen.

Mit der schriftlichen Aussage brach Zschäpe nach fast 250 Verhandlungstagen ihr Schweigen. Sie hatte zuvor erklärt, ausschließlich auf Fragen des Gerichts antworten zu wollen.

Anwalt Mehmet Daimagüler vertritt im NSU-Prozess mehrere Nebenkläger.

„Meine Hoffnungen sind groß, meine Erwartungen sehr klein. Also ich würde mir erhoffen, dass sie Antworten auf zentrale Fragen gibt. Also, wie groß war der NSU, wie viele Helfershelfer gab es, welche Rolle spielten Verfassungsschutzbehörden und ganz zentral für meine Mandantschaft, warum musste eigentlich unser Vater, unser Bruder, unser Sohn sterben?“

Die Verlesung von Zschäpes Aussage dauerte am Mittwochmittag noch an.

Das Strafverfahren gegen sie und vier mutmaßliche Helfer des sogenannten Nationalsozialistischer Untergrunds zählt zu den spektakulärsten und umfangreichsten der deutschen Geschichte. Binnen zehn Jahren ermordete die Gruppe nach Erkenntnissen der Anklage unerkannt von den Sicherheitsbehörden Männer griechischer und türkischer Abstammung und eine Polizistin, verübte Bombenanschläge und Raubüberfälle.

Beobachter erwarten ein Urteil im Frühjahr 2016.