Angeklagter im Fall Niklas freigesprochen

Der 17-jährige Schüler Niklas war im Mai 2016 nach einer Prügelattacke gestorben.

Im Fall des zu Tode geprügelten Niklas hat das Landgericht Bonn den Angeklagten freigesprochen. Es sei nicht bewiesen, dass der 21-jährige Angeklagte geschlagen habe oder überhaupt am Tatort war, sagte das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Zu dieser Einschätzung waren auch die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft gekommen. Beide hatten in ihren Plädoyers Freispruch gefordert. Die Staatsanwaltschaft schloss nicht aus, dass ein anderer Mann die Tat begangen hat. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Der Beschuldigte bestritt die Tat allerdings von Anfang an. Das Gericht verurteilte ihn im Zusammenhang mit einer anderen Schlägerei wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von acht Monaten. Dabei ging es um eine in dem Prozess mitangeklagte Tat und nicht um die Prügelattacke auf Niklas. Martin Kretschmer, der Anwalt des Angeklagten, zeigte sich mit der Entscheidung des Gerichts zufrieden:

„Was mich sehr gefreut hat ist, dass die Strafkammer klar zum Ausdruck gebracht hat, dass hier nicht nur der Zweifelsgrundsatz angewendet worden ist, das heißt, man konnte es ihm einfach nicht beweisen, sondern dass es viele Anhaltspunkte dafür gibt, dass tatsächlich jemand anderes der Täter ist. Und das gerade war der Verteidigung wichtig.“

Niklas‘ Mutter zeigte sich dagegen von der Täterschaft des 21-Jährigen überzeugt. Der Prozess sei für sie eine Qual gewesen, sagte ihr Anwalt Thomas Düber:

„Das Schwierigste für meine Mandantin war die Art und Weise, wie Zeugen mit diesem Sachverhalt umgegangen sind, ich glaube, das ist in meinem Plädoyer auch ganz deutlich geworden, das hier eine Art und Weise des Umgangs mit Recht und Wahrheitsfindung passiert ist, die nichts mehr mit Anstand zu tun hat.“

Der Fall Niklas hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Schüler war im Mai 2016 im Bonner Stadtteil Bad Godesberg nach einem Schlag gegen die Schläfe auf offener Straße zu Boden gegangen. Anschließend war ihm gegen den Kopf getreten worden. Er starb wenige Tage später im Krankenhaus. Nach dem Freispruch des Angeklagten bleibt die Gewalttat vorerst ungeklärt.