Warum sich immer mehr Paare entscheiden, nicht gemeinsam zu leben

Sie braucht immer unendlich lange im Bad und verteilt überall ihren Dekokram. Er dreht nie die Zahnpastatube zu und wirft ständig seine Sachen auf den Boden. Das Ergebnis: Statt heißem Sex und Hochgefühlen herrschen erotische Flaute und Alltagsfrust in der Beziehung. Doch es gibt eine einfache Lösung für das Dilemma: getrennte Wohnungen. Die B.Z. erklärt die Vorteile der Fernbeziehung in einer Stadt.

In getrennten Wohnungen zu leben, ist für viele Paare der Schlüssel zu einer glücklichen, langanhaltenden Partnerschaft. Vor allem immer mehr junge Paare, die in der Großstadt leben, genießen die so geschaffenen Freiräume ihrer Partnerschaft. Laut Umfragen sind es inzwischen mehr als dreizehn Prozent aller Paare, die gemeinsam lieben, aber getrennt wohnen.

Eine sogenannte bilokale Partnerschaft besteht, wenn eine Liebesbeziehung mindestens ein Jahr dauert, sich die Partner in sexueller Hinsicht als Paar verstehen, von anderen als Paar wahrgenommen werden, aber eben nicht zusammenleben. Bei jungen Paaren im Alter von 25 bis 27 Jahren ist der Trend zu zwei Wohnungen dreimal häufiger anzutreffen als bei Paaren im Alter von 35 bis 37 Jahren. Ab dem Alter von 45 steigt die Zahl der getrennt wohnenden Liebenden wieder an. Der Grund: Dann sind einige Ehen zerbrochen, es gilt, Patchworkfamilien zu koordinieren, jeder der Partner hat schon ein eigenes Leben.

Nach einer harten Arbeitswoche, die das bilokale Liebespaar weitgehend in der jeweils eigenen Wohnung verbringt, wird am Wochenende die gemeinsame Freizeit aktiv gestaltet. Meist wird wechselseitig eine der beiden Wohnungen genutzt. Die Basis des getrennten Zusammenseins ist die immer neue Verabredung mit dem eigenen Partner. Dabei ist einer der beiden in der Position des Gastgebers, der andere in der des Gastes. Beide Seiten müssen sich Mühe geben, beispielsweise will ein romantisches Abendessen geplant sein. Störende Sorgen verflüchtigen sich in einer fremden Wohnung oft schneller als in der eigenen.

Das Paar kann – frei von zermürbenden Alltagsfragen – die sexy Schokoladenseiten des Partners genießen. Der Raum für Erotik ist eröffnet. Die bewusst füreinander eingeräumte Zeit lässt die Liebenden ihre Sexualität intensiver erleben.

Doch natürlich hat die Fernbeziehung in einer Stadt auch ihre Tücken. Es besteht die Gefahr, dass notwendige Auseinandersetzungen vermieden werden und das Paar sich nicht wirklich kennenlernt. Doch wenn beide Partner darauf achten, den anderen auch unter der Woche mit in das eigene Leben einzubeziehen – und sei es telefonisch – kann die Fernbeziehung in einer Stadt eine gute Grundlage für eine lange Liebesbeziehung sein.

Warum sich immer mehr Paare entscheiden, nicht gemeinsam zu leben