Warum ich verückt nach Blondinen bin

Es gibt Blondinen und es gibt Blondinen.

Ich sage es ganz offen. Sie machen mich verrückt. Ich schwärme von einer Frau mit wehenden blonden Haaren, die als Beifahrerin lässig in meinem Aston Martin sitzt und nicht weiß, wohin mit ihren langen Beinen. Ja, ja, ich weiß, mein Name ist nicht James, sondern Jack.

Eines ist aber bei aller Hingabe auch klar: Blondinen haben gute und weniger gute Eigenheiten, abgesehen von den Künstlichen, die unter dem Wasserstoffperoxid so blond sind wie die finstere Nacht und im Wesen so kühl wie ein Zinksarg.

Da ist zunächst die kleine niedliche Blondine, die piepst und zwitschert, und dann die große statuenhafte Blondine, die mich mit eisigem Blick umwirft. Die erste kichert ständig beim Sex, an die zweite kommt man nicht ran.

Und da ist die Blondine, die mit gesenkten Augen aufschaut, wunderbar duftet und schimmert und sich bei mir am Arm einhakt. Doch immer, wenn ich mit geübter Hand ihren sittsam bis zu den Knien reichenden Rock etwas nach oben schieben will, wird sie schrecklich müde. Sie hat dann diese hilflose Mine, diese verdammten Kopfschmerzen. Ich hatte vorher viel Zeit und Geduld investiert, aber diese Kopfschmerzen werden bei dieser Blondine immer da sein. Eine Waffe, die nie stumpf wird. Sie wird mir nie einen Orgasmus ins Ohr schreien.

Da ist die schnurrende Blondine. Ihr ist es egal, was sie trägt, Hauptsache, es sieht überdurchschnittlich lasziv aus. Es ist ihr auch egal, wo man sie hinführt, wenn es dort nur viel Prosecco gibt. Der Sex mit ihr ist genauso, er prickelt, geht aber schnell zur Neige.

Da ist die blasse Blondine, die sich schattenhaft bewegt. Sie spricht mit leiser Stimme, liest Sartre im Original und verachtet Fußball. Ihre Blutarmut macht mir ein wenig Angst, sie ernährt sich ausschließlich vegetarisch, im Bett ist sie unleidlich und launisch.

Dann gibt es noch den Traum. Die Blondine mit einem Hauch Goldkupfer im Haar. Sie hat nichts von all den anderen, sie ist unklassifizierbar, fern und nah zugleich. Ihre Bewegungen sind von feenhafter Leichtigkeit. Das Lächeln ihres Mundes, das Licht ihrer Augen, unerreichbar.

Ich fühl mich fast schlecht neben ihr, meine Schwärmereien benebeln mich. Als hätte die Erde aus Bewunderung für einen Moment aufgehört, sich zu drehen.

Es reicht. Aufwachen. Ich gehe jetzt mit der Blondine von gegenüber aus, sie mag Bier, raucht und hat einen atemberaubenden wippenden Gang. Ich freue mich!



Warum ich verückt nach Blondinen bin