Seitensprung: Warum Frauen fremd gehen, auch wenn sie glücklich sind

Auf den ersten Blick klingt es widersprüchlich: glücklich und trotzdem fremdgehen.

Also, warum werden Frauen schwach, wenn eine Ehe harmonisch, der Sex noch durchaus okay ist – wenn also eigentlich alles stimmt? Wenn man von anderen Frauen um den Mann beneidet wird, der zu Hause Pasta zubereitet, während man auf dem Schulparkplatz mit dem Mathelehrer der Tochter knutscht?

Ist es die Lust auf Verbotenes, den Spaß einer Frau, von der man selbst nicht wusste, dass man sie sein kann? Die wieder Herzklopfen hat, sich heiße Dessous kauft und überall rasiert, die gleichzeitig Schuld- und Hochgefühle hat? Frauen müssen so viel leisten, ständig und überall funktionieren, ist es da nicht erlaubt, mal über die Stränge zu schlagen, etwas zu tun und zu fühlen, von dem die Familie nichts weiß?

Das Herz ist ein sehr biegsamer, kleiner Muskel, hat Woody Allen einmal gesagt, hat es also Platz für mehr als einen Mann? Ist diese unerwartete „Wuschigkeit“ ein Virus, dem SIE wehrlos ausgeliefert ist? Der portugiesische Neurowissenschaftler Antonio Damasio hält den Rausch der Verliebtheit jedenfalls für einen „kurzfristigen Hirnschaden“, ausgelöst durch ein hochexplosives biochemisches Gemisch aus Dopamin und Testosteron, gleichzeitig sinkende Serotoninwerte sorgen für eine gewisse Zwanghaftigkeit, z. B. ständiges heimliches Smartphonechecken. Neue WhatsApp-Nachricht mit romantischen Emojis? Kurzfristige Hirnschäden machen auch gestandene Ehefrauen zu kribbeligen Teenagern.

Denn auch in der glücklichsten Ehe gibt es keine kurzfristigen Hirnschäden mehr. Man kennt sich in- und auswendig, der Alltag bietet wenig Überraschungen – in einer Affäre dagegen zeigt man für eine kurze Zeit das Beste, was man zu geben hat. Man glänzt und funkelt wieder. Das macht Affären so überaus reizvoll. Auch deswegen, weil sie in der Regel eine Halbwertzeit von ein paar Wochen haben, dann ebben die Fremdgehhormone wieder ab und das Kuschelhormon Oxytocin sorgt für eine Rückkehr ins Ehebett.

Der seelische Kater, der nach einer beendeten Affäre unangenehm sein kann, darf als kleine Strafe von einer höheren Macht verstanden werden. Trotzdem: Lieber eine schöne Affäre als eine schlechte Beziehung, sagt ein schlauer Spruch von unbekannt.



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