Postkoitale Dysphorie: Warum Frauen nach dem Sex weinen

Eine Frau, die weint und ein Mann, der sich fragt, ob er ein mieser Lover ist – und das alles nach einem gerade gemeinsam erlebten Orgasmus? Das passt nicht wirklich zusammen, kommt aber häufiger vor als man denkt.

Der wissenschaftliche Begriff dafür lautet „postkoitale Dysphorie“. Gemeint ist damit eine große Traurigkeit, Unruhe, Gereiztheit und Angst, die vor allem Frauen nach dem Liebesakt empfinden können. Egal wie gut der Sex, egal wie intensiv der Höhepunkt oder wie harmonisch die Beziehung ist – eine von drei Frauen, hat den Post-Sex-Blus schon mal erlebt.

Australische Wissenschaftler der Queensland University of Technology (Brisbane) haben das in einer Umfrage unter 222 Studentinnen herausgefunden. Demnach haben 33 Prozent der Teilnehmer dieses Gefühlschaos nach dem Höhepunkt mindestens schon einmal erlebt, jeder Zehnten ist es sogar während der vorangegangenen vier Wochen passiert. „Normalerweise wird die Erholungsphase unmittelbar nach dem Sex von Wohlbefinden, von physischer und psychischer Entspannung bestimmt“, so Studienleiter Robert Schweitzer. Frauen, die einen postkoitalen Blues erlebten, bliebe genau diese Gelöstheit verwehrt.

Für das „Warum“ gibt es mehrere Theorien, von denen aber noch keine wirklich belegt ist. Weder schlechte sexuelle Erfahrungen in der Vergangenheit der Frauen, noch Stress ließen sich nach der Brisbane-Studie als Ursache für die schlechte Stimmung belegen. Robert Schweitzer tippt deshalb eher auf eine biologische Veranlagung. Der Charakter der Frau scheint eine große Rolle zu spielen. So seien besonders empathische Menschen, die auch sonst sehr viel Mitgefühl empfinden, häufiger nach dem Sex melancholisch. Gerade so, als empfänden sie den Höhepunkt wie ein kleines Ende der gerade empfunden innigen Liebe. Gleiches können übrigens auch besonders empfindsame Männer empfinden.

Mit dem Gegenüber und dessen Leistung scheint die Traurigkeit nach dem Sex übrigens überhaupt nichts zu tun zu haben. Die Rechnung: Mieser Sex gleich viele Tränen geht also nicht auf!

Der legendäre Hite-Report dokumentierte das Phänomen schon Mitte der 70er Jahre. Dort wurde der Blues „orgastic relief“ genannt und weniger als Problem, sondern als Kompliment für die Männer verstanden. Denn: Die meisten Frauen weinen einfach, weil sie extrem entspannt sind – so die Erklärung laut Hite über deren Nach-Sex-Traurigkeit.



Postkoitale Dysphorie: Warum Frauen nach dem Sex weinen