Panda-Syndrom: Ist es gefährlich, wenn Paare kaum noch Sex haben?

Heißes Kätzchen und wilder Hengst – oder doch eher zwei putzige Pandas?

Bei immer mehr Paaren geht es zu wie im Gehege der schwarz-weißen Bambusbären. Man liebt sich, genießt die gemeinsame Zeit, ist aber zu faul für Sex.

Zoologen und Artenschützer verzweifeln regelmäßig an den wenigen Pandas, die es noch auf der Welt gibt. Die süßen Bären locken in Tierparks scharenweise Besucher an, vermehren sich aber nur widerwillig. Statt in der Paarungszeit voller Leidenschaft übereinander herzufallen, machen sie es sich lieber gemütlich. Zusammen fressen, dösen, kuscheln – gebongt. Aber auch noch Sex? Ist doch viel zu anstrengend …

Gut möglich, dass einigen Lesern diese Art der Beziehung bekannt vorkommt. Diagnose: Panda-Syndrom! Immer mehr Paare gehen nach der ersten Verliebtheitsphase, in der es noch sehr regelmäßig und äußerst wild zur Sache ging, direkt in eine Art innigen Kumpelmodus über. Man ist glücklich miteinander, hat aber kaum noch Lust aufeinander. Laut aktueller Studie gibt immerhin jeder vierte Deutsche an, dass er oder sie sich häufig zu erschöpft fühlt, um dem Partner an die Wäsche zu gehen.

Der erotische Nahkampf inklusive Strapazen wie Ausziehen („… echt jetzt, die Socken auch …?“), minutenlanger Bewegung („… wie lange noch, ich kann nicht mehr …“) und gymnastischer Einlagen („… hoffentlich renke ich mir nichts aus …“) erscheint beiden zu stressig.

Stattdessen wird gemeinsam gechillt, geschlemmt und Serie geguckt – und dabei vielleicht sogar ein bisschen geschmust. Mehr als Füße kraulen und Schultern massieren passiert allerdings sehr selten. Eine Liebesbeziehung ohne Liebesleben – vertraut, bequem und sexlos.

Besonders junge Eltern und Paare ab 40 landen schnell in der Panda-Falle. Zu wenig Schlaf, anstrengende Jobs und die Mühlen des Alltags rauben den Großteil der Energie. Eine heiße Nummer um Mitternacht scheint kräftemäßig einfach nicht mehr drin zu sein. Wozu der Stress, man weiß ja auch so, dass man sich liebt …

Kann man machen – aber lieber nicht allzu lange.

Auch wenn Phasen der Sexträgheit in längeren Beziehungen ganz normal sind, warnen Experten davor, die Erotik für immer einschlafen zu lassen. „Sex bringt uns in unsere innere Mitte und reguliert das Wohlbefinden“, erklärt Therapeutin Tina Wessel in einem Interview mit dem Magazin „Glamour“. „Er wirkt belebend, wenn man antriebslos ist, und entspannend, wenn der Alltagsdruck zu groß wird.“ Sich aufzuraffen kann sich also durchaus lohnen und beiden Partnern neue Power schenken – auch wenn es erst mal Überwindung kostet.

Zudem belegen zahlreiche Studien, dass vor allem Intimität und Leidenschaft Paare langfristig zusammenhalten. Geraten diese wichtigen Aspekte in den Hintergrund, wird die Liebe anfällig für Störungen.

Besonders wenn einer der Partner sich insgeheim mehr handfesten Sex wünscht, ist die Gefahr groß, dass er oder sie irgendwann mit einem Seitensprung aus der gemütlichen Panda-Höhle ausbricht.



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