Legen Sie Ihre Liebe nicht an die kurze Leine

„Schatz, wir brauchen unbedingt mehr Zeit für uns!“ Ähm, wirklich?

Laut repräsentativer Umfrage des Beziehungsportals Parship verbringt mehr als die Hälfte der deutschen Paare (57 Prozent) 70 Prozent ihrer Freizeit gemeinsam, rund ein Drittel (32 Prozent) hockt sogar kuschelige 80 Prozent der freien Zeit aufeinander. Ganz schön anhänglich.

„Me-Time“, also Zeit für sich selbst, eigene Freunde und Hobbys, ist in vielen Beziehungen sogar dermaßen knapp, dass sich 44 Prozent der fest Liierten insgeheim mehr Alleingänge wünschen. Problem: Oft braucht ein Partner mehr Freiraum, der andere aber nicht. Einkaufen gehen, Freunde treffen, in der Kneipe sitzen, das ist zusammen doch alles viel schöner, finden Verfechter der Zweisamkeit. Nicht wenige erliegen dabei auch dem Trugschluss, dass ständiges Beisammensein vor Untreue schützt. Oft fühlt sich der Partner an der kurzen Leine aber kontrolliert und will erst recht ausbrechen. Kompliziert! Fest steht: Die magische Grenze zwischen ICH und WIR birgt einiges an Konfliktpotenzial – und hat schon so manche Liebe ruiniert.

Was raten Experten? Auch, wenn es dauerverschmuste Klammeräffchen nicht gern hören: Paarpsychologen empfehlen, innerhalb der Beziehung nicht nur Verschmelzung anzustreben, sondern sich immer wieder ganz bewusst auf Selbstständigkeit und das eigene Leben zu besinnen.

Erstens, um einen Beziehungskoller vorzubeugen. Zweitens, um Abhängigkeit zu vermeiden. Bedeutet konkret: Nur, weil Sie beide Fitness lieben, müssen Sie nicht zwingend nebeneinander trainieren. Oder: Nur, weil Sie gemeinsame Mahlzeiten genießen, muss nicht jeden Tag zusammen gegessen werden.

Probieren Sie‘s mal aus. Sich wieder aufeinander zu freuen, ist ein toller Nebeneffekt regelmäßiger Distanz-Erlebnisse. Es soll ja sogar Paare geben, die getrennt in den Urlaub fahren…

Für Ihren Partner okay, für Sie aber undenkbar? Letzendlich hängt das erfolgreiche Liebes-Tuning von Nähe und Distanz auch davon ab, wie gut ein Paar grundsätzlich zusammenpasst. Ist das Bedürfnis nach Freiheit bei beiden gleich stark ausgeprägt, ist es einfacher, auf einen Nenner zu kommen. Liegen die Vorstellungen weit auseinander, kann das Thema zur echten Baustelle werden.

Anders als beim Handwerkern gilt beim Thema Freiheit allerdings: Was nicht passt, kann in den allermeisten Fällen auch nicht passend gemacht werden.


Legen Sie Ihre Liebe nicht an die kurze Leine