Darf man in einer Beziehung auch Spaß mit sich selbst haben?

Warum Masturbation wichtig für ein erfülltes Sexualleben ist.

Horror! Heikel! Heiß! Der Gedanke, dass sich der eigene Partner oder die Partnerin neben dem gemeinsamen Sexleben hin und wieder selbst befriedigt, löst unterschiedlichste Reaktionen aus.

Ein bisschen neugierig ist wohl fast jeder, der in einer festen Beziehung lebt. Denkt der Partner an Dinge, die beim Sex zu zweit tabu sind? Wer spielt die Hauptrolle in den ganz privaten Sexclips? Ein makelloser Promi, tabulose Pornosternchen – oder gar jemand aus dem Bekanntenkreis? Überlegungen der konkreten Art lösen bei vielen Menschen Befremden, Unbehagen, womöglich sogar Eifersucht aus. So genau will man es dann lieber doch nicht wissen.

Beliebter gedanklicher Rettungsanker: Wir vergnügen uns regelmäßig miteinander – da hat mein Schatz es gar nicht nötig, selbst Hand anzulegen. Mag sein. Wenn er oder sie ein seltenes Exemplar ist! Denn laut einer Studie der Uni Bonn onanieren rund 90 Prozent aller Männer und 86 Prozent aller Frauen regelmäßig, auch wenn sie in einer festen Beziehung leben.

Die Wahrscheinlichkeit, dass auch der eigene Partner ab und zu seiner Fantasie freien Lauf lässt, ist also groß. Trotzdem ist Selbstbefriedigung in vielen Partnerschaften ein absolutes Tabuthema. Viele befürchten, Masturbation könne ein Anzeichen für Unzufriedenheit sein. Reicht der gemeinsame Sex etwa nicht?

Reinsteigern zwecklos – Experten geben Entwarnung. Ein masturbierender Partner sei in den seltensten Fällen ein Grund an der eigenen Attraktivität und der Erotik in der Beziehung zu zweifeln. „Selbstbefriedigung hat für viele Männer und Frauen eine ganz andere Funktion als Sex mit dem Partner“, erklärt Diplom-Psychologin Cornelia Kardel. „Oft ist es einfach ein Weg zur schnellen Entspannung.“

Während die körperliche Liebe in der Partnerschaft ein Ausdruck von Verlangen und Zärtlichkeit zwischen zwei Menschen ist, geht es beim Solo-Sex oft nur darum, Druck abzubauen und ohne viel Drumherum „runter zu kommen“.

„Bei der Selbstbefriedigung kann man sich ganz auf sich selbst konzentrieren und abschalten, während Sex mit dem Partner, beispielsweise nach einem langen Arbeitstag, auch mal als anstrengend empfunden werden kann“, so Kardel.

Die Expertin betont, dass Selbstbefriedigung eine Beziehung auch stärken kann: „Besonders Frauen hilft sie manchmal herauszufinden, wie man am besten einen Orgasmus erreicht. Außerdem kann sie dazu beitragen, ein unterschiedlich starkes Interesse an Sex in der Partnerschaft auszubalancieren.“

Es soll übrigens Paare geben, die die heikle Angelegenheit zur hotten Sexvariante umwandeln. Fragen Sie Ihren Schatz doch, ob Sie einmal zugucken dürfen …



Darf man in einer Beziehung auch Spaß mit sich selbst haben?