Tierquälerei oder Artenschutz? Ban Ta Klang, das größte Elefantendorf Thailands

Ban Ta Klang (dpa/tmn) – Die Schulkinder in ihren knallgelben Uniformen sind schon bei der Fahrt von Surin nach Ban Ta Klang begeistert. Der Busfahrer stoppt vor einem Buddha-Tempel. Mönche in safrangelben Gewändern schreiten zwischen zwei mächtigen Elefanten aus Stein durch das Eingangsportal die Stufen hoch.

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Doch in diesem Moment kommen die Originale: Zwei große Dickhäuter mit ihren Führern trotten an den steinernen Kolossen vorbei und die Landstraße weiter nach Ban Ta Klang. Noch drei Kilometer sind es dorthin. Im gemütlichen Elefantentempo sind das gut 30 Minuten. Der Weg führt vorbei an Reisfeldern und gackernden Hühnern.

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Nach der Ankunft in Ban Ta Klang wird es lebhaft. Aus einem Bauernhof fährt ein grüner Traktor, kurz danach stolziert ein riesiger Dickhäuter aus dem Gehöft auf die Dorfstraße. Auf ihm sitzt ein kleiner Junge, begleitet vom Mahout, dem Elefantenführer. Aus allen Richtungen marschieren nun Dickhäuter zum Elephant Village am Rand der Gemeinde. Vor allem ältere Tiere sowie Mütter mit Nachwuchs leben und schlafen mit ihren Mahouts in diesem Elefantenpark.

«Wir sind das größte Elefantendorf der Welt», sagt Prakit Klangpattana nicht ohne Stolz. Der 52 Jahre alte Ortsvorsteher zählt auf: «Bei uns leben 190 Elefanten und 1400 Menschen». Einige Familien, auch die von Prakit, haben Gästezimmer. So bringt der Tourismus ein Zubrot.

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Eine Übernachtung im schlichten Zimmer mit drei reichlichen, immer frisch zubereiteten Mahlzeiten kostet knapp 20 Euro. Das Fahrrad vom Sohn gibt es oft gratis, ebenfalls die Motorradtour mit dem Vater in die Nachbardörfer. Wer abends ein paar Flaschen Bier und Cola für sich und die Familie zum Umtrunk auf der Terrasse kauft, wird gewiss auch gleich ein paar Nachbarn treffen.

 

Die Kinder sind natürlich am meisten von den Elefantenbabys fasziniert. «Wir sind nun über drei Stunden hier. Es ist wunderbar», erzählt ein Vater aus Bangkok einem Paar aus Köln. Seine Familie hat auch schon Elefantenparks bei Pattaya gesehen, wo mehr Russen, Deutsche und Briten als Thais dicht gedrängt die Shows verfolgen. Aber das sei dort nur kurzweiliger Zirkus, meint der Mann aus Bangkok.

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Das Elefantendorf Ban Ta Klang liegt ca. 50 km nordlich von Surin entfernt (Grafik: dpa)

Immer mehr Besucher folgen nun einem Dutzend Elefanten, das Richtung Tribüne trottet. Auch aus dem kleinen Museum, von den Kiosken und Ruhebänken strömen nun die Gäste zur Schau mit malenden, tanzenden und Tore schießenden Dickhäutern. Die werden von manchen Parkbesuchern mit Bambusstückchen und Bananen verköstigt.

Tierquälerei oder Tradition? Ban Ta Klang ist das größte Elefantendrof Thailands

Früher bevölkerten die Dickhäuter zu Zehntausenden die üppigen Wälder Thailands. Heute sind es noch einige Hundert. Die Rodungen nahmen den Tieren den Lebensraum, die folgenden Verbote zur Abholzung den Arbeitselefanten ihren Job, weil sie nichts mehr zum Stapeln und Tragen hatten. «Bei uns geht es den Tieren viel besser als früher in der Stadt», sagt ein Mahout.

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Vor zwölf Jahren gab es noch etwa 100 Elefanten in Bangkok, die mit ihren Führern um Futter und Geld bettelten. Die Schlagzeilen über den Amoklauf eines Tieres, das sich durch Lärm, Verkehr und Betatschen drangsaliert fühlte, rief die Regierung auf den Plan. Die Dickhäuter mussten die Stadt verlassen. Viele sind nun in Ban Ta Klang zu Hause. Alle Thais, vor allem auch die Mitglieder des Königshauses, verehren die Tiere. Ein weißer Elefant schmückt das Wappen Thailands.

Prakit Klangpattana, der als Elefantenexperte auch schon in Japan war, hat ein paar Wünsche: «Wir hoffen auf noch mehr Platz für die Tiere und zusätzliches eigenes Land für die Mahouts zum Futteranbau. Kommune, Staat, Sponsoren und Hilfsorganisationen tun viel, dennoch sind die finanziellen Mittel begrenzt.» Urlauber seien immer willkommen, wenn sie wie bisher die Traditionen und Sitten der Bewohner respektieren. Auf Massentourismus ist das Dorf ohnehin nicht eingestellt.

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Mahout Nong reibt die roten Entzündungen auf dem Rücken und hinter dem Ohr von Elefanten-Teenager Apow mit Salbe ein. «Die Kräutermischung wirkt. Die Wunden heilen allmählich», sagt der 29-jährige Führer. Seit Jahrhunderten leben und arbeiten Elefanten und Menschen im Dorf Ban Ta Klang zusammen. Tierquälerei, sagen die einen. Gelebter Artenschutz, sagen die anderen. Ein Ortsbesuch.

Im November zieht es ihn und die anderen in die Stadt Surin zum Elefantenauftrieb, eines der größten Dickhäuter-Festivalsin Thailand. An einigen Plätzen ist dort zu sehen, wie sehr auch hier die Dickhäuter verehrt werden. In einem Park stehen besonders große Elefantenstatuen mit Kriegern, die für ihr Königreich kämpften.