Verrücktes Haus in Brandenburg: Schloss Lilllliput wurde aus Tellern, Knöpfen und Tassen erbaut

Brandenburgs verrückteste Haus-Fassade wurde aus allem möglichen gebaut, nur nicht aus typischen Fassadenwerkstoffen. Hier wird einfach alles verarbeitet.

Wer von Berlin aus gemütlich entlang der Bundesstraße 87 über die märkischen Dörfer tuckelt, glaubt seinen Augen nicht: Plötzlich taucht rechter Hand ein Haus auf, das bunter als bunt ist. Ja, war der berühmte Hundertwasser etwa auch hier, auf dem platten Land im Elbe-Elster-Kreis?

„Willkommen auf Schloss Lilllliput“, sagt Besitzer Steffen Modrach (54). „Lilllliput mit vier l. Die stehen für Liebe, Lust, Laune und Leidenschaft.“

Modrach wohnte zwei Jahre in der Grünen Zitadelle von Magdeburg, dem letzten Bauprojekt, an dem der berühmte Künstler Friedensreich Hundertwasser (1928–2000) mitarbeitete. Dort kam er auf die Idee: „Was mein Vorbild kann, kann ich auch.

Und noch besser, noch einmaliger. Und zwar weltweit.“ Er suchte ein günstiges Grundstück, um seinen Traum zu verwirklichen. In Naundorf südlich von Luckau wurde er fündig. Seit sieben Jahren entsteht dort seine Villa Kunterbunt.

Es ist das verrückteste Haus Brandenburgs, steht auf 7000 Quadratmetern. Es gibt keine normalen Fenster und Türen, stattdessen Bögen, schiefe Wände und Chaos.

Sammelst du noch oder wohnst du schon? Modrachs Kunstwerk besteht aus zwei Millionen Einzelteilen: Kannen, Porzellan-Figuren, Knöpfen, Mosaiksteinen, Glassplittern, Tellern, Tassen, Geldstücken, Bonbons, Tannenbaum-Kugeln … Jeder Bereich hat auch seinen Namen: Thronsaal, Kirche, Freiluftdusche, Nussschlafzimmer und das WC heißt „Zum Klugscheißer“.

Bisher war alles nur außen gestaltet. Jetzt will der Schlossherr auch innen alles à la Hundertwasser verrücken. Etwa 25.000 Euro an Materialkosten stecken in seinem Paradies. „Ich kaufe Sachen, nutze Müll und nehme gern Materialspenden aller Art, die ich dann zur Fassade verarbeite.“

Genauso verrückt wie sein Schloss ist Modrach selbst: Er war Bestatter, Versicherungsmakler, Schäfer, Pfleger in der Psychiatrie, Kesselwärter, Rattenzüchter, Piper-Pilot, Referent an der Berliner Urania, Zauberer, Reinigungskraft, Fischer – und schrieb 30 (!) Bücher.

Und er hat ein Herz für Tiere: „Bei mir dürfen und sollen sich auch Kreaturen aller Art zu Hause fühlen. Fledermäuse, Kröten, Frösche, Bachstelzen, Schleiereulen, Schnecken und Nattern sind schon da. Liebe Tiere, hereinspaziert!“ Während die bei Modrach alles dürfen, gelten für Besucher strenge Regeln: Vorsicht! Bücken! Nichts anfassen!

Denn Schloss Lilllliput ist zu besichtigen. Aber bitte nur nach Voranmeldung (☎ 035 361/894 23) und gegen eine Spende von fünf Euro. Pfingsten kamen übrigens ganze Reisebusse mit neugierigen Rentnern.