Exhibitionismus: Mein Leben ohne Slip

In Hollywood ist es fast schon ein alter Hut: Ausgehen ohne was Drunter. Unten drunter, versteht sich.

Krass, denke ich im ersten Moment. Ziemlich heiß, belehrt mich meine Freundin Anna. Aha. Meine ach so konservative Sandkastenfreundin hat eine schmutzige Fantasie. Was ist bitte so besonders am Leben ohne Slip?

Mein erster Ausflug in die Unten-Ohne-Welt ist noch zaghaft. Ich verzichte auf jegliche Form von Unterwäsche, wähle aber eine lange Stoffhose – in weiß (leicht durchsichtig) wohlgemerkt. So streife ich durch einige Kaufhäuser, bin aber nicht bei der Sache, sondern völlig abgelenkt. Abgelenkt von mir und meiner fehlenden Unterwäsche. Ob die Typen das wohl merken?

Also, auf den Hintern gucken sie eh – und bei mir zeichnet sich unter der hautengen Hose so gar nichts ab. Das sollte selbst die Fantasie des phlegmatischsten Kerls zu Höchstleistungen anregen: Was trägt sie drunter? Einen superknappen String? Oder etwa gar nichts? Der Gedanke an diesen Gedanken gefällt mir.

Unten Ohne lohnt sich

Obwohl es erst 15.30 Uhr an einem trüben Montag ist, fühle ich mich wie eine mördermässige Sexbombe. Außerdem, Ladys: Ihr kennt sie alle, die Probleme von schlecht sitzender Unterwäsche. Einschneidende und abschnürende Erfahrungen, die die Welt nicht wirklich braucht. Alles Schnee von gestern, wenn der gute alte Schlüpfer im Schrank bleibt.

Nach etwa 45 Minuten selbstverliebtem Herumstolzieren bin ich mir sicher: Ein neues Hobby ist geboren. Ich scheine auszustrahlen, dass ich mich gut fühle. Sexy und begehrenswert. Denn ständig schmachten mich männliche Hauptgewinne an. Und plötzlich habe ich das Gefühl, ich könnte meinen Traummann in der Haushaltswaren-Abteilung von Woolworth finden – wenn ich nur wollte…

Aber ich will nicht, denn da gibt es ja noch Max. Meine neue Eroberung und einfach cool. Gut aussehend, intelligent – und was den Sex angeht: genau in dem Maße versaut, das eine Frau zur Sexgöttin und nicht zur Bordsteinschwalbe macht.

Heute Abend gehen wir auf eine Party. Er mit zwei Flaschen Sekt – und ich: ohne Höschen. Wir stehen in meinem Flur. Die weiße Hose habe ich inzwischen todesmutig gegen einen Rock eingetauscht. Knielang – und so eng, dass ich mich selbst mit 2,0 Promille nicht so unvorteilhaft hinsetzen könnte, dass Unbefugten Einblick in mein süßes Geheimnis gewährt wird. Abgerundet wird das Ganze durch halterlose Strümpfe – und schwarze Highheels. Max‘ bewundernder Blick sagt mir: Er steht auf mich. Und dabei weiß er das Beste ja noch gar nicht.

Doch nach zwei geübten Griffen an mein Hinterteil dämmert es ihm „Hast du etwa … !“ Ganz richtig. Und in diesem Moment bin ich wahnsinnig froh, dass Männer in manchen Bereichen so einfach gestrickt sind:

Denn zwei Minuten später ist die Party vergessen und das einzige, was Max noch interessiert, ist mein fehlendes Höschen. Alles klar. Ich habe verstanden…

Exhibitionismus: Mein Leben ohne Slip