Auch die kleinen Hunde sollen jetzt in Berlin an die Leine

Nun sollen auch kleine Hunde auf Berlins Straßen angeleint werden.

Seit mehr als vier Jahren arbeiten sich Justizsenator Thomas Heilmann (51) und die SPD/CDU-Koalition an der Neufassung des Hundegesetzes ab. Am Donnerstag wollte es das Parlament absegnen. Eine zentrale Forderung: Bis zu einer Schulterhöhe von 30 Zentimetern müssen Hunde beim Gassigehen keine Leine anlegen.

Auch kleine Hunde sollen in Berlin angeleint werden

Doch an dieser Oben-ohne-Idee zerrte plötzlich die Marzahner SPD-Politikerin Ollech, eine erfahrene Halterin: „Eine unvernünftige, völlig willkürliche Regelung. Kleine Hunde sind auch nicht ohne!“ So lag ihre Mutter nach einem Dackel-Biss 14 Tage im Bett – das Tier hatte eine Sehne erwischt.

Ihre Audrey (53 cm) holte SPD-Politikerin Liane Ollech aus dem Tierheim (Foto: Olaf Selchow)

Bei den anderen SPD-Abgeordneten fand Ollechs Vorstoß große Unterstützung. Und prompt wurden noch ein paar andere geplante Paragrafen geändert:

  • Neu: Keinen Sachkundenachweis („Hundeführerschein“) braucht ein Halter, wenn er ununterbrochen seit drei Jahren einen Hund hatte, ohne dass es zu Problemen gekommen ist. Wichtig, weil so nicht nur der Nachweis, sondern auch Erfahrung vom Leinenzwang befreit.
  • Neu: Sperrt ein Bezirk bestimmte Flächen für Hunde, muss er im Gegenzug Auslaufgebiete ausschildern.
  • Neu: Hundekämpfe oder -wettkämpfe sind verboten, soweit Bissverletzungen bezweckt sind.

Pflichten für neu angeschaffte Hunde

Während der zuständige CDU-Senator Heilmann mit den Änderungen leben kann, biss die CDU-Fraktion nicht sofort an. „Das ist zu frisch, wir sind noch in der Beratung“, sagte Rechtsexpertin Cornelia Seibeld (41, CDU) am Mittwoch zur B.Z. Das Thema wurde von der Tagesordnung am Mittwoch abgesetzt.

Aber SPD-Fraktions-Geschäftsführer Torsten Schneider (47) macht Druck auf den Koalitionspartner: „Wir haben keinen Gesprächsbedarf mehr. Die CDU-Fraktion muss jetzt entscheiden, ob sie dem Votum ihres Senators folgt oder nicht.“

Die Bereitschaft dazu scheint verhalten. Denn unterm Strich bleibt kaum mehr übrig als die neue Kotbeutel-Pflicht und eine generelle Leinenpflicht nur für neu angeschaffte Hunde. Falls der CDU das zu wenig Biss hat, wird nach der Wahl im September alles auf Neuanfang gestellt.

Auch die kleinen Hunde sollen jetzt in Berlin an die Leine