Volksbühne lädt zum Mittanzen auf das Tempelhofer Feld

Plié, s’il vous plait – Ballettanweisungen vom französischen Tanzkünstler Boris Charmatz gab es am Sonntag auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof. Zur Eröffnung der neuen Volksbühnen-Spielzeit hatte das Traditionshaus unter der Leitung seines neuen Intendanten Chris Dercon zu einem Tanzfest für alle geladen. Unter dem Motto „Fous de Danse“ – verrückt nach Tanz, konnten die Besucher unter Profi-Anleitung selber ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen oder Tänzern bei der Arbeit zuschauen.

Als Nachfolger der Volksbühnen-Ikone Frank Castorf hatte Dercon im Vorfeld viel Kritik einstecken müssen. Etliche Kulturfans warfen dem Ex-Leiter des Londoner Tate Modern Museums vor, statt auf Sprechtheater auf Events zu setzen.

Der neue Intendant hingegen sieht den Auftakt auf dem Tempelhofer Feld hingegen durchaus im Geist der Stammhauses.

„Die Volksbühne hat immer wieder in die Stadt herum gereist sozusagen. Die Volksbühne ist natürlich nicht nur die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Ich habe immer die Volksbühne gesehen als das Theater von Berlin, ein richtiges Stadttheater, wo man sich abfragt was bedeutet die Stadt für das Theater und das Theater für die Stadt. Aber Tempelhof ist natürlich eine wahnsinnige Kulisse. Wir wollten auch hier stehen, weil es gibt mehr und mehr Künstler die andere Formate brauchen. Sie brauchen diesen Abstand nicht mehr zwischen der Bühne und Zuschauerraum. Sie wollen total andere Öffentlichkeitsarbeit machen. Sie wollen neue Orte besuchen. Und natürlich mit Boris Charmatz ist perfekt, weil Boris Charmatz seit Jahren immer wieder in die Öffentlichkeit arbeitet, in Städten arbeitet, auf Plätze, squares, everywhere.“

Theater sei heute das Medium par excellence, um wieder die Frage zu stellen: was ist eine Begegnung, was ist Kommunikation, sagt Dercon.

„Man sieht all die Menschen die ich auch nicht kenne. Sie sitzen nicht auf Stühlen. Sie haben kein Ticket gekauft. Eintritt frei und sie tanzen mit. Es ist kein Mitmachtheater, es ist wirklich eine Zelebration von Gemeinschaft.“

Eine Gemeinschaft, die einige Besucher am Sonntag durchaus genossen.

„Ich glaube viele Leute würden gerne tanzen. Die finden das schön. Es ist auch so eine Natursache von den Menschen zu tanzen. Also wenn man mit den Profis es einmal machen, ist doch ein Anreiz denke ich.“

„Das Besondere ist dieses Improvisieren, also Menschen die sich vorher noch gar nicht irgendwie getroffen haben, dass die an der Stelle dann miteinander eine Verbindung aufbauen, eine Energie und das finde spannend.“

Nach dem gemeinsamen Tanz am Wochenende sind nun viele gespannt, welche Realität ihnen Chris Dercons Kulturträume wohl bringen werden.