„Stolpersteine“ zur Erinnerung an NS-Opfer in Berlin gestohlen

Nur etwas Sand und das normale Gehwegpflaster liegen vor der Tür des Wohnhauses im Berliner Stadtteil Neukölln. Die goldfarbenen Steine, die an das Schicksal seiner ehemaligen Bewohner erinnern sollen, sind ausgegraben und verschwunden. „Stolpersteine“ heißen die ins Pflaster eingelassenen Gedenktafeln. Auf den Messingplatten sind die Namen von Opfern der NS-Zeit eingraviert. Sechzehn dieser Steine sind im Berliner Viertel Britz in der vergangenen Woche gestohlen worden. Weitere wurden beschädigt, sagt Cornelia Seiberl vom „Bündnis Neukölln“. Seiberl glaubt, dass die Steine nicht zufällig kurz vor dem Jahrestag der sogenannten Pogromnacht vom 9. November 1938 entwendet wurden:

„Es ist kein normaler Diebstahl, weil man schon den Zusammenhang zum Datum sehen muss. In den vergangenen Jahren wurden häufig vor der Pogromnacht (Jahrestag zur Pogromnacht am 9. November 1938, Anm. d. Red.) Steine entwendet, einmal das, oder auch in anderer Form Neonazis auf die Straße gegangen, um Sachbeschädigungen oder Angriffe zu verüben. Auch hier in Britz kennen wir das durchaus schon, dass solche Daten oder auch der Tag vor Hitlers Geburtstag verwendet wird, um von der Neonaziszene aus stärker zu symbolisieren. Die Steine haben an sich keinen hohen materiellen Wert, es ist mehr ein Erinnerungsstein, wo man sich nicht vorstellen kann, dass es einfach nur Sachbeschädigung ist, sondern dass es tatsächlich aus der rechten Ecke kommt.“)

Auf Flugblättern, die überall in den Straßen aushängen, bittet die Polizei Berlin um Mithilfe bei der Aufklärung der Taten. Seit dem Start des Projekts 1996 von dem Künstler Günther Demnig sind rund 600 Stolpersteine gestohlen worden. Trotz der negativen Nachrichten weiß Seiberl auch Positives zu berichten:

„Sofort war eine sehr große Spendenbereitschaft da, die Steine sollten unbedingt ersetzt werden, es war ein großes Anliegen der Bevölkerung hier in Britz. Ich glaube, dass die eigentlich diese Steine in der Bevölkerung sehr gut angesehen werden und es den Leuten wichtig ist, an den Häusern, wo die betroffenen Familien gelebt haben, auch daran zu erinnern, was da für ein Unrecht geschehen ist, sowohl von den Widerstandskämpfern – viele Steine hier in Neukölln erinnern an aktive Widerstandskämpfer in der NS-Zeit – als auch an jüdischen Familien.“

Seit Beginn der Aktion wurdem rund 63.000 Stolpersteine in ganz Europa verteilt.