Buchsbaumzünsler: Neuer Pflanzenschädling – Kahlfraß im Berliner Regierungsviertel möglich

Er ist klein und gemein: Zum ersten Mal haben Gärtner den Buchsbaumzünsler mitten in Berlin entdeckt. Gegen die Raupen des Schmetterlings aus Asien ist noch kein Kraut gewachsen.

Gefräßige Gefahr für Gärten und Parks: Zum ersten Mal hat das Berliner Pflanzenschutzamt in diesem Frühjahr den Buchsbaumzünsler im Berliner Regierungsviertel gesichtet. Der aus Ostasien stammende Nachtfalter legt seine Eier auf den kleinen Blättern der Heckenpflanze ab, Raupen fressen die Büsche von innen her kahl. „Das bereitet uns Kopfschmerzen, besonders im Regierungsviertel mit dem Schloss Bellevue, auf der Museumsinsel oder in Parks wie am Schloss Charlottenburg”, sagt Barbara Jäckel, Expertin beim Berliner Pflanzenschutzamt. „Da geht es um die Repräsentationsbereiche der Hauptstadt.”

Langfristig werde Berlin wohl auf eine alternative Begrünung umstellen müssen. „Das heißt, Geld in die Hand zu nehmen”, stellt Jäckel fest. Denn Erfahrungen aus Süddeutschland zeigen seit Jahren, dass gegen den Buchsbaumzünsler kein Kraut gewachsen ist. Chemische Bekämpfungsmöglichkeiten fallen aus – sie sind schädlich für Nutztiere wie Bienen. „Man kann geschädigte Pflanzen herausschneiden und auch mit mikrobiologischen Produkten spritzen”, sagt Jäckel. Großflächig wird Bio-Spritzen, das nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) nach jedem Regenschauer wiederholt werden muss, aber kaum eine Lösung sein.

Buchsbaum, der sich gut als Hecke oder Kugel in Form schneiden lässt, ist eine beliebte Monokultur bei Repräsentationsbauten – bis hin zum Barockgarten. Die bepflanzten Flächen in Berlin wären zu groß, um Schädlingslarven mühsam mit der Hand abzusammeln. „Der Zoo pflanzt schon um”, berichtete Jäckel.

Da der Falter gut fliegen könne und Gärtner nicht jede Hecke ständig im Auge behalten könnten, seien andere Pflanzen auch für die Innenstadt in Zukunft sicher eine bessere Idee. Für den Schädling sei es kein Problem, auf längere Sicht zum Beispiel die Buchsbäumchen auf der ganzen Museumsinsel kahlzufressen. „Man muss sich zwischen Panik und Information entscheiden”, ergänzte Jäckel.

Der Buchsbaum spielt seit Jahrhunderten bei der Gestaltung europäischer Gärten eine große Rolle. Ursprünglich stammt er aus dem Mittelmeerraum. Heute gibt es mehr als 60 Sorten, damit zählt die Pflanze in Deutschland zu den am häufigsten angepflanzten Zier- und Nutzgehölzen.

Der Schädling, ein schwarz-weißer Falter, wurde vielleicht als Larve 2006 auf Containerschiffen aus Asien nach Deutschland eingeschleppt. Die Theorie entstand, weil ein Befall der Buchsbäume zuerst rund um die Binnenhäfen am Rhein sichtbar wurde. Andere Vermutungen gehen dahin, dass er durch internationale Baumschulware aus Asien nach Europa gelangte. Inzwischen hat sich der Buchsbaumzünsler in vielen mitteleuropäischen Ländern ausgebreitet. Natürliche Feinde hat er kaum. Die Raupen schmecken bitter und werden von Vögeln eher verschmäht. Als Alternative bieten sich laut Nabu Eiben an, die sich auch gut in Form schneiden ließen.



Buchsbaumzünsler: Neuer Pflanzenschädling – Kahlfraß im Berliner Regierungsviertel möglich